Blog 943 – 24.05.2026 – Kühe, Meer, Lekker broodjes und M.C. Escher
Immer noch regnet es oft und der Gartenboden bleibt sehr gut durchfeuchtet. Ich habe weiterhin keine Ahnung, in welchen Intervallen ich meine Solar-Bewässerungssysteme im Garten einstellen soll, damit sie einerseits genügend Gießwasser geben, andererseits nicht in zwei Tagen die Wassertonnen leergesaugt haben. Das ist ein bisschen blöd, denn ab Dienstag soll es zunehmend sommerlich werden und am Mittwoch fahre ich für einige Tage in Urlaub. Ich werde vorher wohl bei jedem der vier Systeme die Anzahl der Tropfer zählen müssen, abmessen, was pro Gießdurchgang verbraucht wird, und dann durchrechnen, wie lange das Wasser in der jeweiligen Tonne ausreicht. Dabei bin ich doch gar nicht Typ „Ich rechne das aus“, sondern „Ich lasse es laufen und stelle immer mal wieder um, bis es irgendwann passt.“
Wie viel ich in den letzten Monaten gearbeitet habe, erkenne ich, als ich zufällig ein Foto von Anfang Februar sehe. Die Werkstatt meines Vaters, noch vollgestellt, ist darauf zu sehen. Und ich fühle genau wie damals leichte Beklemmungen, spüre mein tiefes Atemholen, das symbolische Ärmelhochkrempeln und das Loslegen. Alles muss raus. Hilft ja nix.

Was habe ich sortiert, geschleppt, verschenkt, zur Müllkippe gefahren! Wenn ich jetzt die alten Fotos sehe, kann ich es kaum glauben.

Und dann geht es in den Urlaub – fünf Tage Holland. Der Sohn nimmt mit einem Stück seiner Frankfurter Theatergruppe am Theaterfestival in Den Haag teil, und wir verbinden das mit einem entspannten Urlaub. Auf der Hinfahrt machen wir eine Pause in Utrecht, weil unsere Wohnung erst ab 16 Uhr zu beziehen ist. Die Innenstadt ist sehr hübsch und dementsprechend touristisisch erschlossen. Noch geht es, weil es mitten in der Woche ist, aber mir wird es bei so was ja schnell zu voll. Wir laufen etwas herum, essen etwas und fahren weiter Richtung Den Haag.

Eine halbe Stunde Fahrzeit von Den Haag entfernt haben wir auf einem Kuhbauernhof in der Polderlandschaft eine kleine Ferienwohnung gemietet. Ruhe und wenig los ist genau das, was ich jetzt brauchen kann. Und wenn die Kühe gleich neben der Terrasse stehen und Gras kauen, während ich Tee trinke und lese, finde ich das sehr gut.


Natürlich sitzen wir jetzt nicht nur neben den Kühen, sondern machen auch Ausflüge. Am nächsten Tag, einem Freitag, ist der Strand in Noordwijk am Vormittag noch relativ leer. Das Wetter ist perfekt und die Strandbars rüsten sich mit dem Aufbau von Sonnenschirmen und Windschutzen für den Ansturm am Wochenende. Traumwetter und Pfingsten – das wird voll werden. Noch sind nur einige Spaziergänger unterwegs. Und das Meer ist so schön. Ich muss dringend mal wieder einige Tage Urlaub am Meer machen.




Unter den Dünen von Noordwijk befinden sich noch gewaltige Reste vom Atlantikwall. Wir machen eine geführte Tour und laufen durch unterirdische Gänge in mehreren Etagen. Was für gewaltige Betonbauten das sind! Was für ein Wahnsinn.

Der Erklärbär unserer Gruppe – ich möchte ihn in dieser Situation ungerne „Führer“ nennen – erzählt, wie die Noordwijker Kinder früher, trotz der elterlichen Verbote, in den alten, stockdunklen Bunkergängen gespielt haben und auch als Jugendliche viele „Abenteuer anderer Art“ erlebt hätten. Seit zwanzig Jahren gehört er zu den Freiwilligen, die in Handarbeit die vielen halb mit Sand gefüllten Räume und Gänge freigelegt haben und immer noch freilegen. Oh je, was für viel mehr Arbeit das ist als ein Wohnhaus auszuräumen. Ich habe viel Respekt und finde das so klasse, dass ich am Ende 10 Euro extra in die Spendenbox gebe.

Der Besuch in den Bunkeranlagen ist lohnenswert und sehr beeindruckend, und der angeschlossene Besuch im danebenliegenden kleinen Atlantikwall-Museum ergänzt ihn noch. Am Abend sind wir wieder in der scheinbaren Nicht-los-Idylle, in der der Kuckuck ruft, Wasservögel quaken und fiepen, Schafe blöken – die großen tief, die kleinen ganz hell -, Kühe muhen, Hasen über die Wiese hoppeln, einzelne Möwen kreischen und überall Wasser, Schilf und Seerosen sind. Wunderschön.


Am Samstag geht es in die Innenstadt von Den Haag, wo wir in einer kleineren Nebenbühne ein anderes Stück der Frankfurter Theatergruppe mit nur zwei Personen ansehen. Die lockere, schöne Atmosphäre rund um das Festival macht mir sofort Spaß. Leicht chaotisch, aber mit guter Laune, gegenseitiger Unterstützung und herzlichem Miteinander. Wir sehen ein weiteres Stück einer niederländischen Gruppe an, das mit zeigt, dass mein Qualitätsanspruch dann doch ein anderer ist. So was wäre bei mir eine erste Vorarbeit, die ich noch lange nicht auf einer Bühne zeigen würde. Wobei … nicht mal das. Selbst meine erste Vorarbeit hätte schon mehr Zusammenhang, Spannung und Energie.

Wir laufen noch etwas durch Den Haag und essen dann „lekker brootjes“ in einem kleinen italienischen Lokal. Der italienische Kellner versteht meine niederländische Bestellung nicht gut, was witzigerweise daran liegt, dass er selber nicht gut Niederländisch spricht. Wir machen mit Englisch weiter, haben aber auch da Probleme, weil er auch nicht gut Englisch spricht und ich erst nicht verstehe, was er meint. Wir bekommen es dann aber beide mit etwas Wortsalat hin. Das passiert eben, wenn sich ein Italiener und eine Deutsche in den Niederlanden unterhalten. Im Übrigen stelle ich fest, dass mein frischer Niederländisch-Wochenendkurs und mein Bemühen um eine gute Ausprache bewirken, dass ich beim Begrüßen und bei meinem ersten Satz oft für eine Niederländerin gehalten werde, weil es sich vermutlich recht gut anhört, woraufhin oft ein in schnellem Niederländisch geantworteter Satz kommt, der mich sofort aus der Bahn wirft. Aber dass ich nicht schon beim ersten Satz als Deutsche identifiziert werde, finde ich sehr gut.


In Den Haag besuchen wir auch das M.C. Escher-Museum. Die Bilder fand ich immer schon faszinierend und viele Jahre hatte ich zwei Motive von ihm – Plakatdrucke natürlich nur – an der Wohnzimmerwand hängen. Jetzt sehen wir viele Originaldrucke und auch seine Vorarbeiten. Skizzierte Handzeichnungen finde ich oft noch spannender als die Endprodukte, wobei bei Escher alles toll ist.




Am liebsten würde ich gleich danach noch ins nahegelegene Mauritshuis gehen, in dem es viele alte Gemälde gibt, aber ich möchte dem Gatten nicht zumuten, zwei weitere Stunden durch ein Museum zu laufen. Auf der Terrasse der Ferienwohnung zu sitzen und eine entspannte und eher desinteressierte Kuh zu betrachten, ist auch schön.
