Blog 338 - 19.10.2014 - Stücke träumen und Ziele haben

Nur langsam tauche ich aus der Puppenspielzeit auf. Nachts träume ich, dass ich hinter der Spielleiste stehe und spiele, morgens vermisse ich das gemeinsame Warmmachen im Seminarraum, die vertraute Musik und die Handpuppe auf dem hochgestreckten Arm, die mit ihrem knallgelben Schaumstoffball-Kopf so zuversichtlich durch die Welt läuft. Ich gehe ganz alleine mit meinem Professor auf der Hand durch mein Wohnzimmer, aber der läuft energie- und ziellos, weil er eben nicht weiß, wohin. Was ich brauche sind gute Handspielpuppen, eine Spielbühne und ein Stück.

Das Stück kommt von ganz alleine. Ich wache noch vor dem Weckerklingeln auf und weiß, was ich proben und inszenieren möchte. Es wird ein Mini-Stückchen von höchstens fünf Minuten sein, und ich werde dafür wochenlang üben können. Saubere Handpuppenführung, das Spiel mit zwei Puppen, laufen, springen, gucken, Sprache, Dialoge, Szenenbild, Dramaturgie. Ich kann fast alles verwenden, was wir im Kurs theoretisch besprochen und in kleinen Übungen ausprobiert haben. Das Ergebnis ist nicht für eine öffentliche Vorstellung gedacht, sondern für mich. Schaffe ich eine kleine Aufführung, die nicht wie von einer Anfänger-Puppenspielerin aussieht? Das ist mein Ziel, auf das ich aktiv hinarbeiten will. Ich probiere sofort die ersten Bewegungen mit meinem Professor, und siehe da, er hat Schwung und strengt sich an. Passende Handspielpuppen werde ich demnächst selber machen, das dauert etwas, bis die fertig sind.

Eine Spielbühne ist schon etwas komplizierter. Sie sollte im aufgestellten Zustand groß und stabil sein, im zusammengeklappten Zustand idealerweise winzig klein und unauffällig. Mit dem Bau einer großen, stabilen Bühne hätte ich kein Problem, aber wo stell ich das Ding hin, wenn ich das Wohnzimmer zwischendurch mal frei haben möchte? Auch geklappt und auseinander gebaut, sind die Teile zu groß, um sie unauffällig hinter das Bücherregal zu schieben. Da muss ich noch eine Lösung finden.

Und als müsste ich mir nicht schon genug Gedanken machen, entdecke ich in einem Stoffladen unerwartet einen Klappmaulpuppen- Katzen- Stoff. Auch das noch! Nachdem die letzte Katze während des Bauens ja zum Löwen wurde, steht die gewünschte Katze immer noch aus. Nur wie soll ich gleichzeitig Handpuppen basteln, eine Bühne schrauben, ein kleines Handpuppen-Stück einstudieren, mit den Klappmaulpuppen üben und auch noch die Katze bauen? Ach ja, am Text des neuen Kinderbuches sitze ich ja auch schon. Zum Glück nervt mich das alles gar nicht, sondern ich bin äußerst gut gelaunt. Ist es nicht großartig, dass sich mein Leben um Kinderbücher, Klappmaulpuppen, Handpuppen und das Puppenspiel dreht? Alles Sachen, die ernsthafte Arbeit bedeuten, aber vergnügt machen. Es sind andere Welten, in die ich gehe, die ich anscheinend lenken kann, die aber trotzdem ein faszinierendes Eigenleben haben.

Bevor ich jetzt aber richtig an den Handpuppenbau oder die nähere Überlegung für den Bühnenbau gehe, ist an allererster Stelle das Cover me-Video dran. Das sollte schon im September fix und fertig sein, aber da war so viel anderes zu tun. Nur der Ton ist noch zu bearbeiten, was diesmal aber recht aufwändig ist, weil es extrem unterschiedliche Lautstärken gibt, die ich angleichen muss. Aber auch wenn es sich darum etwas zieht, komme ich Stück für Stück dem Finalsong näher.

Und trotz der roten Augen, die ich nach jedem Arbeiten am Video habe, weil es so traurige Stellen gibt und mir immer wieder Tränen kommen, mache ich das sehr gerne.Ich habe so viele Jahre Cover me gefilmt und für jedes Jahr ein kleines Video gemacht, ich habe mit dem wundervollen, herzlichen Dirk zusammen arbeiten können, der wiederum meine Bücher und Illustrationen so mochte, und jetzt empfinde ich es als Ehre, dass ich sein letztes Cover me, das von seinen Freunden mit so viel Liebe und Wärme nur für ihn gestaltet wurde, als Video fertig machen kann.