Blog 330 - 24.08.2014 - Puppenwelt und Realität

Nach der intensiven Puppenspielwoche in Bochum komme ich nicht so schnell aus der schönen Stimmung heraus. Ich würde jetzt so gerne an den Klappmaulpuppen bauen und weiter intensiv das Spielen üben. Und wenn ich kurz durch meinen ziemlich zugewachsenen Garten gehe, in dem alles Luft, Licht und Grün ist, wird es mir auch ganz warm ums Herz. Unverplante Zeit könnte ich jetzt brauchen, um die vielen Eindrücke des Kurses zu verarbeiten und in ruhiger Atmosphäre wieder runterzuschalten. Wenn ich meine Tage zwischen Garten und Klappmaulpuppen aufteilen könnte, also zwischen Spielen, Bauen und Buddeln, wäre es das Beste, was mir passieren könnte. Genau so müsste mein Leben momentan sein.

Ist es aber nicht. Die ganze Familie ist Zuhause, es wird geredet, gelacht, gekocht, und außerdem steht die Hörspiel-Premiere fast vor der Tür und braucht noch Vorbereitungen. Und in der nächsten Woche werde ich auch noch einen trubeligen Kurzurlaub in einer trubeligen Stadt machen. Ich freue mich zwar darauf, aber für meine noch nicht ganz vom Puppenspielen zurückgekehrten Psyche ist es etwas heftig.

Während ich nämlich anscheinend mittendrin im sprudelnden Alltag stehe, bin ich innerlich viel ruhiger als sonst und träume mich oft noch in die parallele Puppenwelt, die ihren ganz eigenen Zauber hat. Dann sehe ich meinen Löwen oder das Huhn an der Spielleiste und übe mit ihnen den schnellen Blick zur Seite. Von außen sieht man mir zum Glück nicht an, dass ich innerlich nicht ganz da bin. Oder vielleicht nur an dem leicht verträumten Lächeln im Gesicht. Aber mein Ruhebedürfnis muss sich noch etwas gedulden. Ich passe mich den Gegebenheiten an und nöle jetzt nicht stündlich rum, dass ich doch lieber mit den Puppen ... und mein Löwe .. und überhaupt. Der Garten und die Klappmaulpuppen werden in zwei Wochen, wenn die Trubel-Reise und die Hörspiel-Premiere geschafft sind, immer noch da sein und ich werde dann deutlich mehr Zeit für sie haben. Und die werde ich mir auch nehmen, denn ich will unbedingt weiter das Spielen lernen und es nicht wieder wegen anderer Sachen aufschieben.

Nach den langen Sommerferien gibt es nun auch endlich wieder eine Hörspielprobe. Zum ersten Mal sitzen alle zehn Sprecherinnen und Sprecher nebeneinander auf der kleinen Bühne - wir müssen zehn Leute auf vier Metern Breite unterbringen - , aber trotz der Enge sieht es professionell und nicht zugestopft aus. Der Kuschelfaktor erhöht eher das Gruppengefühl und es wird viel gelacht. Nach der wochenlangen Sommerpause läuft das Stück im ersten Durchgang ein wenig holperig - in die Texte wurde lange nicht mehr reingeguckt und auf einmal kommen auch noch Licht, Requisiten und Geräusche dazu, was immer wieder zu Unterbrechungen führt. Aber die Basis steht und es ist eine tolle, unkomplizierte Gruppe, mit der es Spaß macht.

Dass eine der Rollen nochmal neu besetzt wurde und der Sprecher jetzt zum ersten Mal bei der Probe ist - er macht es klasse - und dass ein anderer Sprecher nach dieser Probe in die Toscana fährt und erst zur Premiere wiederkommen kann, passt zur Produktion. Es gab immer wieder Terminprobleme, die zu Wechseln in der Besetzung führten, zu Beginn ja sogar zum Wechsel des Stückes. Aber wir haben immer wieder neue Wege und Lösungen gefunden, ohne dass die Produktion jemals gefährdet war. Der Trick ist, einfach optimistisch zu bleiben, dann klappt das schon.