Blog 328 - 10.08.2014 - Schulter-OP und Koffer packen

Es steht eine überraschende Schulter-OP an. Zum Glück nicht bei mir, sondern beim Kampfhund. Ich bin seine Chirurgin, die sich durch Stoff und Schaumstoff schneidet, um andere Schulterpfannen einzusetzen. Heißen die Dinger, in denen sich die Oberarmkugelgelenke drehen, überhaupt Pfannen? Na, super! Schwierige OPs durchführen, aber nicht mal wissen, wie die Anatomie zu benennen ist. Aber egal. Hautsache, die Ober-Chirurgin hat einen Blick fürs Problem.

Ausgelöst werden die Operationen - es sind zwei, denn es gibt eine rechte und eine linke Schulter - durch den Gedanken: "Wäre es nicht besser, wenn die Arme einen Zentimeter höher und ein paar Millimeter weiter vorne säßen? Und am besten einen Ticken tiefer im Schultergelenk drin..." Zentimeter, Millimeter, Ticken, alles Kleinigkeiten, und schon läuft eine dreistündige OP auf dem Küchentisch. Chirurgisch gesehen nicht einfach. Schultersehnen lösen, Gelenkpfannen entfernen, neue Löcher in den Körper schneiden, Gelenkpfannen einsetzen, Fettaufspritzungen in die Schultern, Hautverpflanzungen, offene Wunden vernähen. Alles ohne Blut - nur die Pattextube tropft einmal unbemerkt auf den Tisch und hinterlässt eine feste Erinnerung an die große Schulter-OP.

Gleich danach gibt es auch noch spontane Arm-OPs, damit die schön anzusehenden, aber etwas steifigen Armgelenke nicht mehr ganz so schön aussehen, sich aber locker bewegen lassen. Dann geht es weiter in die Augenklinik, wo ich als Augenärztin die Eddingpunkte gegen hübschere Pupillen auswechsel. Also ich male sie einfach anders an, ein eher unbekannter Aufgabenbereich in der Augenchirurgie. Eine Zahnklinik wäre meiner Meinung nach auch nötig, aber da murrt der Kampfhund, der seinen Unterbiss vorbildlich und genau richtig findet. Na gut, soll er ihn behalten.

Zwischen den OPs organisiere ich einige Utensilien für die nächste Hörspielprobe und ich habe eine abendliche Besprechung zu einem neuen Theaterstück, das sich momentan aber noch in einer wackeligen Vielleicht-Situation befindet. Am Nebentisch sitzt zufällig Hans Süper, bei dessen Konzert ich erst im Mai war. Wir begrüßen uns kurz und herzlich, und er fragt mit Blick auf meinen Begleiter: "Ist das dein Neuer?". Nun, es ist eindeutig nicht mein Gatte, was ihm sofort auffällt, aber das heißt ja nicht, dass ich den mal eben ausgetauscht habe.

Am Ende der Woche packe ich meinen Koffer. Zahnbürste, Nachthemd, Kampfhund, Huhn ... Schon wieder steht ein Seminar im Bochumer Figurentheater-Kolleg an, diesmal: "Das Spiel mit der Klappmaulpuppe". Wieder ist der Seminarleiter Bodo Schulte, bei dem ich nicht nur lerne, wie Puppen gebaut werden, sondern auch, wie sie atmen. Wie schön, dass der Kampfhund und der Löwe rechtzeitig fertig geworden sind und mitkommen können!

 

Wir sind dann mal weg ....