Blog 427 - 03.07.2016 - Baulisten und Käpt'n Blaubär

Manchmal ist es seltsam. Da baue ich eine größere Irgendwas-Figur, nur damit ich damit das Spielen mit einer Livehand üben kann, und dann hat das undefinierbare Ding plötzlich eine Seele und ist äußerst liebenswert. Noch bevor es ganz fertig ist, ist es schon ein Liebling.

Auch das Livehand-Spielen macht mir unerwartet viel Spaß. Nachdem mein Hirn einmal kapiert hat, dass es beide Hände getrennt voneinander bewegen muss, geht es fast von alleine. Der Gatte lacht sofort, wenn das Tier ihn anquatscht und findet, dass ich beim Spielen durchaus offen dahinter stehen bleiben kann, weil ich gar nicht auffalle. Muss ich mir Sorgen machen, dass er so freudig auf das Tier reagiert und auch noch gut findet, dass ich völlig uninteressant bin?

Das Froschstück ist in der ersten Version geschrieben, jetzt kann ich mit dem Puppenbau beginnen. Als ich eine erste Liste tippe, was ich für das Stück alles brauche, bekomme ich große Augen und denke spontan: "Bin ich eigentlich bescheuert?" Sieben Klappmaulpuppen und fünf Handpuppen stehen drauf, ganz abgesehen von dem ganzen Zubehör und den Bühnenelementen. Und da ich erstmal probieren möchte, ob ich einen für meine Zwecke gut nutzbaren Rücken-Eingriff bei den Klappmaulpuppen bauen kann, aber keine Ahnung habe, ob es die passende Baulösung überhaupt gibt, wird es noch etwas dauern, bevor ich überhaupt richtig loslegen kann.

Ist es überhaupt realistisch, bis Ende des Jahres ein Stück auf die Beine zu stellen, wenn ich noch so viel bauen muss? Ich habe wirklich keine Ahnung. Darum beantworte ich die Frage, ob ich bescheuert bin, mit einem kräftigen Nicken, lache und lege los. Wenn ich im Dezember immer noch an den Puppen baue, wird es mit der Premiere in diesem Jahr vermutlich nichts mehr werden.

Noch immer überspiele ich täglich alte Videokassetten auf Festplatten. Zwischen vielen Videos mit den Wise Guys und anderen Künstlern gibt es manchmal auch private Aufnahmen. Plötzlich sehe ich ein mehr als zwanzig Jahre altes Video, auf dem meine noch sehr kleinen Kinder gebannt zusehen, wie ich ihnen mit Kasperlepuppen ein Stück vorspiele. Wie cool! Ich wusste gar nicht, dass das mal gefilmt wurde. Und es zeigt, dass ich vor zwanzig Jahren genau das gemacht habe, was ich jetzt auch wieder machen will: Ein Puppenstück spielen.

Allerdings habe ich damals einfach drauflos gespielt und hatte großen Erfolg. Mal sehen, ob ich den demnächst mit wesentlich mehr Wissen und Vorbereitung auch wieder habe. Andererseits war mein damaliges Publikum sehr minderjährig und extrem unkritisch. Da reichte schon ein fröhliches Tri-tra-trullala.

Als das nächste Video läuft, blicke ich verblüfft auf den Monitor. Ich sehe meine Kinder bei einem Familienbesuch vor einem Fernseher stehen und "Käpt'n Blaubär" gucken. Den hat Bodo Schulte gespielt, genau der Bodo, bei dem ich jetzt alle Grundlagen zum Puppenbau, Puppenspiel und Inszenieren lerne. Was für eine schöne Verbindung von damals zu heute. Vom Kasperlespielen über Käpt'n Blaubär und Bodo Schulte zur Frosch-Inszenierung. Passt doch.

 
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