Blog 428 - 10.07.2016 - Abgenicktes Spielbuch und Erfahrungen sammeln

Jetzt geht es mit meinem Puppenstück tatsächlich in Richtung Premiere. Nicht sofort und auf direktem Weg, aber das Spielbuch ist durchgesprochen und hat die interne Prüfung bestanden. Die erste Stufe ist genommen. Größere Änderungen wird es erst wieder in der aktiven Probephase geben. Dort zeigt sich, ob alles in der Praxis so spielbar ist, wie es mir in der Theorie vorkommt, und ob ich kleine Ideen, die jetzt noch ein Fragezeichen haben, einbauen werde oder nicht.

Als ich mit den ersten Bautests für die Figuren beginne, merke ich, wie ich mich freue. Seltsam, denn dass ich nach dem Spielbuch mit dem nächsten Arbeitsschritt beginne, kommt nicht überraschend. Aber erst jetzt wird mir bewusst, dass meine Ankündigung: "Ich mache ein Puppenstück" nun wirklich und tatsächlich stimmt. Nicht, dass ich daran gezweifelt hätte, aber planen und schreiben ist etwas anderes als bauen. Ein Spielbuch landet auch mal "für später" in der Schublade, aber wenn ich erstmal Puppen und eine Bühne gebaut habe, dann gibt es auch eine Vorstellung. Schon allein aus dem Grund, weil dann alles gar nicht mehr in eine Schublade passt.

Eine ganze Theaterproduktion liegt nun vor mir, was ganz schön viel Arbeit ist. Aber die neugierige Anspannung und freudige Energie, die ich spüre, sind mir sehr vertraut. Genau so ging es mir, als ich das erste Kinderbuch machte. Auch da wusste ich nicht genau, was auf mich zukam, hatte sehr viel Arbeit vor mir und dachte oft: "Ach ja, das muss ich ja AUCH noch machen!" Meistens hatte ich keine Ahnung, wie. Es war spannend Wege zu finden, Entscheidungen zu treffen und eigene Lösungen zu entwickeln.

Diesmal habe ich sogar den Vorteil, dass ich mich ganz gut mit Theaterproduktionen auskenne, so dass ich im Prinzip weiß, was ich am Ende haben möchte. Auch wenn es dann doch ziemlich anders sein wird, ganz alleine mit Puppen auf der Bühne zu stehen und den kompletten Text alleine zu sprechen. Den kompletten Text! Und das, wo ich immer so lange zum Textlernen brauche. Manchmal befürchte ich, dass irgendwann alles fertig gebaut ist und die Premiere sich wochenlang verzögert, weil ich immer noch vergesse, wie es nach Seite 14 weitergeht.

Am Ende der Woche gibt es eine kleine, schöne School's Out Party bei Freunden und das berüchtigte Fußballsaufen im Kölner Grüngürtel, das sich heftig anhört, aber ein familienfreundliches Freundestreffen mit Kindern, Fußball und Grill ist.

Ich erzähle von meinen Puppenspielplänen, und Mark Britton, ein lieber Freund, strahlt mich freudig an und sagt, dass es toll ist, dass ich nach so vielen Jahren, die ich intensiv für andere Leute gearbeitet habe, inzwischen mit voller Energie meine eigenen Projekte durchziehe. Dass ich dadurch auch nicht mehr für ihn arbeiten kann, nimmt er selbstverständlich in Kauf. Außerdem bietet er seine Hilfe an, wenn ich die beim Proben oder der Inszenierung brauche. Auch wenn ich nicht weiß, ob ich sie brauchen werde, freue ich mich und fühle mich unterstützt und aufgehoben.

Mir fällt ein, dass mich Rainald Grebe vor einigen Jahren mal fragte, warum ich meine Kreativität, meine Ideen und meine Zeit überwiegend in die Produkte anderer Leute stecke und sie nicht für meine eigenen Sachen verwende. Das gab mir damals den ersten Impuls zum Umdenken. Aus heutiger Sicht glaube ich, dass ich die Jahre gebraucht und genutzt habe, um viel zu lernen, um unbefangen auch an große Projekte zu gehen, Erfahrungen zu machen und einen Blick für gute Inszenierungen und überflüssige Sachen zu entwickeln. Vermutlich war es genau richtig.

Zufällig passend zum Thema sagt mir Dän, dass im bald erscheinenden Wise Guys Buch viele meiner Fotos sind. Ich freue mich sehr darüber, denn wenn etwas Bleibendes entsteht aus der Energie, Kreativität und Begeisterung, die ich reingesteckt habe, ist es genau das, was ich wollte.

Ganz nebenbei zeigt es, warum es gut war, dass ich erstmal jahrelang und mit großer Freude für die Wise Guys gearbeitet habe. Ich hätte damals natürlich auch mich fotografieren und das jetzt als Buch rausbringen können, aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass das etwas ganz anderes wäre. Immerhin werde ich beim Fußballtreffen im Park von einem Mädchen gefragt: "Darf ich ein Foto von dir machen?", eine Frage, die ich sonst nur bei Lesungen höre. In dieser Altersgruppe zählt die Kinderbuchautorin dann doch manchmal mehr als andere Prominenz. 

 
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