Blog 431 - 31.07.2016 - Moore, Schaf und Baufortbildung

In Warmsen in Niedersachsen findet im Hof Lebherz ein Baukurs mit Michael Hepe, in Fachkreisen Benecke genannt, statt. Obwohl der Kurs erst am frühen Abend startet, fahre ich extra früh los, tuckel gemütlich durch die Landschaft, freue mich über rot geklinkerte Höfe und trinke Tee in einem Hofcafé. Außerdem folge ich der Aufforderung des Plakates "Entdecken Sie die Heimat von Moora, Niedersachsens ältester Moorleiche" und mache eine zweistündige Rundfahrt durch das Moor. Das Tempo der kleinen Bahn ist so gering, dass der Bahnführer während der Fahrt absteigen, nach vorne gehen und die Weiche passend umstellen kann.

Ich versuche mir Moora vorzustellen, die vor 2500 Jahren hier lebte, aber es ist zu sonnig und ferienmäßig. Außerdem lese ich, dass das Moor damals anders aussah. Stattdessen fällt mir eine Geschichte aus Cornwall ein, in der die Hauptpersonen immer wieder auf unsicheren Wegen durch das Moor gehen müssen, und das passt. Ist ja auch egal, ob Cornwall oder Niedersachsen, dass es überhaupt so große Moore gibt und sie tatsächlich nicht einfach durchquert werden können, ist beeindruckend. 

Extrem entspannt komme ich nach diesem geruhsamen Ausflugstag am Seminarort an, wo es gleich mit dem Bauen der Klappmaulpuppen los geht. Der Schaumstoff wird gesägt und geschnippelt, der Heißkleber kommt unerwartet oft zum Einsatz und ich lerne viel Neues. Michael Hepe baut an einigen Stellen ganz anders als ich es bisher mache, und genau deswegen besuche ich den Kurs. Den einzig perfekten Weg gibt es sowieso nicht, jede Puppe muss nach Form, Spielart und Einsatzgebiet individuell gebaut werden, aber je mehr Bauwissen ich habe, desto besser kann ich meine eigenen Puppen so bauen, wie ich sie haben möchte. Und sie sollen ja nicht nur nett vom Regal gucken, sondern vor allem innen gut spielbar sein. 

Nach vier Tagen, an denen bis spät in den Abend gebaut wird, komme ich mit einem Schafskopf nach Hause, der äußerlich zu meinen anderen Puppen passt, innen aber ziemlich anders ist. Für meine geplanten Froschstück-Figuren ist mir der enge Einschlupf zu hinderlich, da möchte ich weit offene Eingriffe haben, in die meine Hand fast von alleine rein und raus rutscht, aber es wird Fälle geben, in denen ich genau die neu gelernte Methode brauchen kann. Ich freue mich über die neuen Kenntnisse, die vielen Anregungen und Tipps, und finde es sehr schön, dass ich den Bau- und Tüftelmeister Michael Hepe kennenlernen konnte.  

Zuhause wartet Liegengebliebenes, die Söhne sind in den Ferien da und die Tage sind voll. Ich muss mehr kochen, mehr abwaschen, mehr Wäsche waschen und unterhalte mich viel mehr. Da passt keine meditative Bauzeit rein, auch wenn ich gerne gleich im Arbeitszimmer verschwinden und weiterbauen würde. Immerhin bereite ich mich schon auf die ruhigere Zeit vor und kaufe viele große Tuben Kleber im sensationell günstigen Angebot einer Supermarktkette. Die Kassiererin ist sich jetzt vermutlich sicher, dass ich Lehrerin bin und nach den Ferien eine ganze Klasse mit Klebstoff ausstatte. Nein, der ist nur für mich und die Froschstück-Figuren.

 

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