Blog 435 - 28.08.2016 - Flugbahnen und chillende Himbeeren

Hatte ich vor einigen Monaten wirklich den Gedanken, in diesem Sommer hätte ich kaum feste Termine und darum unendlich viel Zeit? Wollte ich nicht in Mußestunden Betonsteinwege im Garten verlegen? Tatsache ist, dass ich seit einiger Zeit keine Mußestunden habe, die Betonsteine weiterhin gestapelt im Hof stehen und der Garten langsam verwildert. Ich bin nur mal im Garten unterwegs und gieße, wenn es sehr trocken ist. Das Unkraut dann gleich mit, was es dankbar mit noch schnellerem Wachstum belohnt.

Selbst die Herbst-Himbeeren, eigentlich ja Pflanzen, die mir seit dem letzten Jahr mit ihrer positiven Lebenseinstellung viel Freude bringen, wachsen in ihrem Eifer viel zu hoch, kippen zur Seite und liegen jetzt - notdürftig vom viel zu niedrigen Ein-Meter-Zaun gestützt,- als lange, kräftige Ranken quer übereinander. Das macht das Ernten zum Dschungel-Abenteuer. Immerhin stehen einige Randpflanzen noch aufrecht und könnten den unordentlich rumhängenden Verwandten als Vorbild dienen. Aber wahrscheinlich hängen die nicht nur einfach rum, sondern chillen. 

Bei mir ist das Gegenteil von Chillen angesagt. Kaum habe ich etwas Freiraum, sitze ich vor dem Rechner und bearbeite die Wise Guys Seiten, die nächste Woche ins Netz sollen. Bis auf die letzten noch fehlenden Konzertberichte wird das inzwischen schon recht rund und schön. Ich freue mich, dass ich es angefangen und durchgezogen habe, auch wenn es in den letzten Wochen viel Zeit gekostet hat. Am 1. September ist die Rubrik auf www.reihedrei.de freigeschaltet und ich hoffe, dass viele alte und neue Wise Guys Fans Spaß daran haben. Es hat schon ein bisschen historischen Wert, so lange ist manches her.

Ansonsten ist der Umzug des Sohnes dran, was bedeutet, dass ich plane, packe, streiche, schraube, schleppe, Unterlagen schicke, Nachmieter finde und immer wieder irgendwohin mit dem Auto fahren. Meistens längere Strecken. Der Plan heißt: Auszug aus Trier, Einzug in Chemnitz, Zwischenlagerung in meinem Wohnzimmer.

Vermutlich falle ich Anfang Oktober, wenn ich dann endlich wieder Zeit für eigene Sachen habe, ermattet aufs Sofa und brauche Urlaub. Ach, nein. Vermutlich muss ich mich dann mit einer Machete durch den Garten schlagen, weil das Gras vier Meter hoch ist. Der Rasenmäher steht nämlich ganz hinten im Schuppen, und eine Wespen-Flugautobahn mit erhöhtem Verkehrsaufkommen führt zur Schuppentür hinein und hinaus. Natürlich reagiere ich sehr geschickt, als ich die Wespen entdecke und mache einfach die Tür zu, in der Hoffnung, dass die einen nicht mehr reinkommen, es den anderen dann zu blöd ist und sie sich durchs Schlüsselloch rausquetschen und ein neues Zuhause suchen. Stattdessen surren innerhalb von Minuten mindestens hundert aufgeregte Wespen vor der Tür herum, dann finden sie das Loch in der Fensterscheibe und ändern einfach ihre Route. 

Zwei Tage später mache ich die Tür vorsichtig wieder auf, so dass ich, nachdem sich die erneute Aufregung gelegt und die Route wieder in der ursprünglichen Form verläuft, jetzt zumindest in gebückter Haltung unter der Flugroute entlang nach den Gartenarbeitsgeräten greifen kann, die innen gleich neben der Tür stehen. Bis zum Rasenmäher, der ein Stück hinter der nächsten Ecke steht, traue ich mich nicht. Aber ich habe ja gerade sowieso keine Zeit zum Mähen.

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