Blog 450 - 11.12.2016 - Puppen vor der Kamera und Matjes am Meer

In der letzten Woche gab es die Probe auf der großen Bühne, jetzt ist die TV-Aufzeichnung der Helene-Fischer-Weihnachtsshow dran. 10.000 Zuschauer sind da, es gibt viel Licht, viel Musik, viele Gäste auf der Bühne und ein langes Programm. Mittendrin eine Puppennummer: Der Hund Wiwaldi von Martin Reinl trifft auf Helene und hat ein paar Freunde mitgebracht. Dass ich bei der Helene-Fischer-Show dabei bin, ist schon ziemlich schräg. Egal wie nett, hübsch, professionell Helene Fischer ist, es ist nicht die Musik, die ich höre. Aber als Teil einer Puppenspielergruppe im Programm zu sein, ist klasse.

Vor Beginn der Show kann ich kurz Gregor Meyle treffen, der einer der musikalischen Gäste ist. Letztes Jahr im Sommer habe ich mich mit ihm nach einem Konzert über das Puppenspielen unterhalten und erzählt, dass ich gerade aktiv als Spielerin beginne. Spontan habe ich eine kurze Szene mit meiner Frau Müller-Hohenstein gespielt, an der er viel Spaß hatte. Jetzt ist er überrascht, mich unerwartet bei der Helene-Show zu sehen. Als ich sage, dass ich als Puppenspielerin dabei bin, lacht er freudig und grinst breit: "Krass!" Sehe ich auch so.

Die Puppenspielertruppe erweist sich als total nett und humorvoll, und wir haben viel Spaß zusammen. Als wir mit unseren Klappmaulpuppen in den Armen zum Auftritt gehen, passen wir optisch zwar nicht so richtig zur Hochglanz-Show, werden aber auffällig oft angelächelt. Was aber weniger an uns als an den Puppen liegt. Der Auftritt fluppt, jeder weiß, wann er dran ist, und wenige Minuten später ist es schon vorbei und auf der riesigen Bühne startet der nächste Programmpunkt. Schön, das hat Spaß gemacht. Gesendet wird die Show am 1. Weihnachtsabend im ZDF.

Gleich am nächsten Tag findet in Köln die Aufzeichnung der Finalshow der "Puppenstars" statt. Ich überlege lange, ob ich als Zuschauerin dabei sein möchte, weil so ein Abend doch sehr langatmig und nervig sein kann. Naja, es findet nicht weit entfernt von mir statt, ich werde vielleicht kreative Ideen im Bereich Puppenspiel sehen und warum nicht?

Kaum legt der schmierige Warm-Upper los, der wie eine völlig überspitzt dargestellte Warm-Upper-Karrikatur wirkt, leider aber echt ist, weiß ich, warum ich lieber nicht hätte hingehen sollen. Zum Glück gibt es einige recht schöne Nummern, aber dass bis fast zum Ende zwei vorne liegen, die zwar toll sind, aber überhaupt nichts mit Puppen zu tun haben, nervt mich dann doch wieder. Auch die Zuschauer um mich herum murren: "Das hat doch nichts mit Puppen zu tun. Warum nennen sie dann die Show nicht anders?" Eine weitere, lang vorne liegende Nummer ist zwar witzig und hat tolles Timing, lebt aber nicht vom guten Puppenspiel. Sie braucht aufwendige Projektionen und ist sichtlich keine Livenummer, sondern ein schön schräges Internetformat.

Den Warm-Upper und die Hälfte der Nummern hätte ich nicht gebraucht und dem Kakerlak am Jurytisch am liebsten 100 Extrapunkte für seine witzigen Bemerkungen und Aktionen gegeben. Immerhin hilft der Abend, um mich von der früheren Annahme zu verabschieden, dass bei den "Puppenstars" die Vielfalt des Puppenspiels von Profis und Amateuren liebevoll gezeigt werden soll. Jetzt sehe ich eine "Internationale Unterhaltungsshow, auch mit Puppen". Die Worte "Unterhaltung" und "Show" sind dabei sehr groß geschrieben. Und wer nur noch eine Unterhaltungs-Show mit vorwiegend Profi-Nummern erwartet, ist mit dem Ergebnis vermutlich gut bedient.

Sofort danach stehen zwei Tage Familienbesuch im niederländischen Friesland an. Alles ist klein, ruhig, beschaulich und ein großer Kontrast zu den lauten, glitzernden Shows der Vortage. Wunderbar. Es gibt Matjes und Suikerbrood, allerdings nicht zusammen; den Matjes abends, das Zuckerbrot zum Frühstück.

Kaum wieder zuhause, geht es schon wieder mit Puppen vor die Kamera. Diesmal für einen kleinen RTL-Trailer, der demnächst Werbung für die Puppenshow machen wird. Wie bei der Helene-Show bin ich in einer Gruppe dabei und muss die Puppen nur bewegen und nichts Spektakuläres spielen. Aber auch hier macht es mir wieder großen Spaß. Ob ich nun den dritten Hamster von links spiele oder an einem Solo-Puppenstück arbeite, es hat mit Puppenspielen zu tun und gefällt mir.

Es ist eine volle Woche, in der ich viel mache und nur nicht dazu komme, an meinen eigenen Puppen zu arbeiten. Aber es ist ganz angenehm, mal eine kleine Pause vom vielen Nähen zu haben. In der nächsten Woche geht es weiter mit Fingern, Armen und Ohren. Vielleicht sogar Augen.

 
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