Blog 532 - 08.07.2018 - Ferien mit Baiserhaube und Theaterstücken

Meine Sommerferien halten, was sie versprechen. Zumindest in der ersten Woche. Viel Sonne, wenige Termine, ich laufe barfuß und leicht bekleidet herum, gucke nicht auf die Uhr und fühle mich wie früher als Kind in den Ferien. An einem Morgen setze ich mich an einen schattigen Gartenplatz und beginne mit dem Schreiben des neuen Puppen-Theaterstücks. Der Frosch bleibt weiterhin im Programm, aber das neue Stück soll weniger Bühnenaufbau und weniger Einspieler haben, damit ich es auch ohne Theaterraum, ohne Techniker und ohne geliehenen Transporter spielen kann. 

Die Geschichte habe ich schon ungefähr im Kopf und viele Ideen und kleine Szenen auf Zetteln notiert. Aber wer die Hauptperson wird, welche Figuren, die jetzt noch in den Ideen stecken, wirklich dabei sind, und wohin das Ende der Geschichte gehen soll, muss ich entscheiden. Dass es Klappmaulpuppen werden, ist mir inzwischen schon klar, aber vielleicht kann es Szenen mit Hand- oder Tischpuppen geben. Ich muss  immer berücksichtigen, dass ich nur zwei Arme habe und damit nicht drei Puppen gleichzeitig spielen kann, außer, ich nehme Tischpuppen dazu, die alleine stehen können. Schon beim Schreiben achte ich ständig darauf, ob sich die Szene später überhaupt von mir umsetzen lässt. Später soll alles geschmeidig ablaufen und nicht auffallen, dass ich vorher penibel überlegt habe.

Kuchen der Woche ist "Schwarze Johannisbeeren mit Baiserhaube". Lecker, auch wenn der kräftige Cassis-Geschmack vermutlich nicht jedermanns Sache ist. Ich mag's und außerdem komme ich nicht drum herum, denn im Garten sind die schwarzen Johannisbeeren reif und die will ich nicht einfach am Strauch hängen lassen. Dass ich die Beeren aus dem Garten jetzt immer zu Kuchen verarbeitet essen muss, ist ein hartes Schicksal. Tja, da muss ich durch. Sehr tapfer und gut gelaunt, übrigens.

Ein weiteres Theaterstück ist jetzt aktuell, jedoch ohne Puppen. Im November hat bei "Szene 93" "Hexenjagd" Premiere, und es gibt für die Mitspieler ein erstes Treffen zum Besprechen und Austeilen der Textbücher. Meine Rolle gefällt mir und sie ist klein. Von den 107 Seiten im Textbuch trete ich nur von Seite 7 bis 27 auf. Das bedeutet, dass ich auf den restlichen 80 Probeseiten nicht vorkomme und zuhause bleiben kann, wenn die Szenen durchgegangen werden. Prima, das passt gut in mein Ferienkonzept. Eine kleine Rolle, die aber alle zehn Seiten einen Satz sagen muss, ist probetechnisch viel aufwändiger.

Eine wunderbare Überraschung erlebe ich, als ich Bücher bestelle. Der Autor Arno Surminski ist Jahrgang 1934 und hat mir mit seinem liebevollen Blick und den berührenden Geschichten das alte Ostpreußen nahe gebracht. Inhaltlich ist es nicht immer leicht zu verarbeiten, denn es geht auch um viele Schicksale in der Kriegszeit, aber ich lese ihn sehr gerne und würde einige Bücher, besonders "Jokehnen" als Schulliteratur empfehlen. Als ich erfahre, dass man bei einer Hamburger Buchhandlung ältere Ausgaben seiner Bücher mit seiner Signatur bestellen kann, mache ich das. Ich habe keine Ahnung, ob das Angebot noch steht, ob wirklich seine Unterschrift im Buch ist und ob ich auf meine Mail jemals eine Antwort bekomme. Wenige Tage später bekomme ich per Post die drei bestellten Surminski-Bücher. In den Büchern steht eine persönliche Widmung für mich, ganz aktuell geschrieben. Ich lächel stundenlang vor mich hin, weil ich mich über diese unerwartete Überraschung so sehr freue! Wie schön! Und für mich persönlich so wertvoll.

Zu meinen Sommerferien gehört natürlich, dass ich weiterhin im Garten unterwegs bin. Auch das ist eine gestalterische Tätigkeit, wenn man nicht nur ein Stück Rasen in der Mitte und drum herum Büsche hat. Sehr erstaunlich ist, dass die Katze, sobald ich im Garten werkel, in meine Nähe kommt, umkippt und einschläft. Wirke ich entspannend oder arbeite ich so langsam, dass das Zusehen ermüdet?

Die letzten zwei Wochen mit nur heißen Sommertagen bringen die Pflanzen allerdings langsam an ihre Grenzen. Seit Wochen hat es hier nicht mehr richtig geregnet. Noch hält sich alles aufrecht, aber jede Kanne mit Wasser ist nur noch Erste Hilfe zum knappen Überleben. Die ersten gelben Blätter fallen. Es wird Zeit, dass es mal wieder übliches Sommerwetter gibt. Bedeckt und verregnet.

            
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