Blog 568 - 17.03.2019 - Spieltermin, zu breiter Kuchen und immer nur leben

Das neue Handpuppenstück entwickelt sich weiter. Nicht nur, dass schon die Holzleisten für den Bau des Bühnengerüsts im Hof liegen - wegen des schlechten Wetters aber nicht bearbeitet werden -, auch das erste Pressefoto und ein vorläufiges Plakat sind fertig, sowie der erste Spieltermin fest zugesagt. Am 22. Mai gibt es eine offizielle Vorstellung von "Ein Drache für die Königin", eine etwas seltsame Aussicht, wenn ich daran denke, dass ich momentan weder den Text kann, noch die Requisiten komplett vorhanden sind und der Bühnenbau nicht mal begonnen hat.

Aber ich sehe das sehr professionell. Oder wahnsinnig, je nachdem. Ich habe sogar vor, noch vor dem ersten offiziellen Spieltermin mindestens einen, besser zwei oder sogar drei inoffizielle Spieltermine zu haben, um das fertige Stück unter Realbedingungen vor Publikum durchzuspielen. Mal sehen, ob ich da im ortsnahen Bereich kurzfristig Schulklassen oder Kinderpublikum finde. Ich denke optimistisch, dass sich da was machen lässt.

Zu Lässigkeit und Entspannung gibt es noch keinen Anlass. Beim Proben merke ich, dass einige Requisiten geändert oder sogar komplett neu gemacht werden müssen, weil das im Spiel nicht so funktioniert, wie ich es gedacht hatte. Der Kuchen ist zu breit und könnte der Königin aus den Händen flutschen, was zwar äußerst lustig, aber störend für den Fortgang des Stückes wäre. Anstelle eines breiten, flachen wird es also einen hohen, schmalen Kuchen geben. Da muss ich aber erstmal ausprobieren, ob ein Kuchen in Leuchtturmform überhaupt als Kuchen erkannt wird. Bei anderen Szenen muss ich aufbröseln, wie eine Figur um die stillstehende andere herum ans Bühnenende laufen kann, ohne dass ich dabei einen Knoten in die Arme bekomme. Aber alles ist lösbar. Zum Glück erweisen sich andere Ideen als genau richtig, laufen geschmeidig und machen jetzt schon viel Spaß.    

Ganz ohne Puppen werde ich in vier Wochen im Rahmen von "Erftstädter lesen für Erftstadt" eine abendliche Lesung zum Thema "Briefwechsel" haben. Welches Buch ich dafür nehme, war mir sofort klar, aber damit ich nicht in meinem eigenen Exemplar Lesemarkierungen und Streichungen eintragen muss, habe ich es vor einiger Zeit als gebrauchtes, preiswertes Ebay-Buch nochmal gekauft. Blöderweise finde ich das inzwischen nicht mehr, denn ich habe es, zusammen mit meinem Originalbuch, gut weggelegt. Sehr gut weggelegt - beide sind komplett verschwunden. Weil ich jetzt aber mit dem Durchlesen und Zusammenstellen meiner Lesungsbriefe beginnen sollte, seufze ich tief und kaufe ein zweites gebrauchtes Zweitbuch. Also ein Drittbuch. Normalerweise müssten Erst- und Zweitbuch sofort auftauchen, sobald das Drittbuch da ist, aber noch bleiben sie verschwunden. Das beruhigt mich ein bisschen.

Die einstündige Lesung wird übrigens schön und kein bisschen langweilig werden, wie man das bei "Briefen" vielleicht vermuten könnte. Eine Gruppe junger Lehrerinnen, die 1899 ihr Examen ablegten, schrieben sich danach bis in die 60er Jahre Briefe in einem Rundbuch. Sie durch die Zeiten, zwei Weltkriege und auf ihren unterschiedlichen privaten und beruflichen Wegen zu begleiten, ist sehr interessant und oft berührend. "Freundschaft über sieben Jahrzehnte - Rundbriefe deutscher Lehrerinnen 1899-1968" ist entweder in Ausschnitten bei mir anzuhören: Mittwoch, 10. April, 19:30 Uhr, Buchhandlung Köhl, Erftstadt-Liblar, (- für Leute, die sehr nah wohnen -), oder preiswert bei Ebay zu kaufen. Da gibt es Erst-, Zweit und auch Drittbücher. Falls ich mein Drittbuch versehentlich sehr gut weglege, auch Viertbücher.

Die Woche endet mit Purple Schulz. Er ist mit seiner neuen CD "Nach wie vor" auf Tour, und obwohl die CD nagelneu ist, sind die Lieder es einerseits schon, andererseits nicht. Viele seiner Lieblingslieder hat er für die CD vom 80er-Jahre-Klang befreit und präsentiert sie handgemacht und mit mehr Gitarrenklang. In der Leverkusener Scala gibt er ein Konzert mit alten Schätzchen und neuen Liedern. Markus Winstroer begleitet gewohnt souverän mit Gitarre, Banjo oder Geige, und am Ende singt das Publikum laut bei "Verliebte Jungs" mit und versinkt leise in "Immer nur leben".

"Immer nur leben, nur leben - Keinen einzigen Tag vergeben. - Alles genießen, jeden Atemzug - Und ganz genau zu wissen: - es ist noch lange nicht genug." Da erkenne ich mich wieder.

            
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