Blog 577 - 19.05.2019 - Tim Mütze kommt auf die Bühne

Vor der ersten Probevorstellung von "Ein Drache für die Königin" stehen täglich Proben an. Die sind wirklich wichtig. Ausgerechnet jetzt habe ich einen Tag lang starke Kopfschmerzen und am folgenden einen matschigen Kopf. Konzentrieren geht gar nicht, das Proben kann ich an beiden Tagen vergessen. Obwohl das - drei Tage vor der Vorstellung - sehr ungünstig ist, nehme ich es recht gelassen. Ich bin fast froh, dass ich nicht pflichtbewusst proben kann, sondern einfach mal ausbremsen und runterfahren muss. Ist wohl nötig. Danach lasse sicherheitshalber den Text unter der Spielleiste hängen. FaIls ich stocken sollte, kann ich kurz reinblinzeln.

Die Proben sind anstrengend. Die Hirnzellen müssen die Sätze, Puppenwechsel, Auf- und Abgänge und Requisiten sortieren. Meine Stimme muss in verschiedenen Tonlagen laut und deutlich artikulieren, jammern und jubeln. Der Rücken, der Nacken und die Arme, die inzwischen zwar schon gut trainiert sind, stöhnen noch immer, weil sie extrem gefordert werden. Das Stück zweimal nacheinander proben geht körperlich und vom Kopf her nicht. Trotzdem macht es Spaß, und ich sehe, wie sich alles von den ersten groben Durchgängen zum Puppen-Theaterstück entwickelt.

An einem Nachmittag mache ich eine Probe-Vorstellung in der Stadtbücherei. Allzu viel Publikum möchte ich gar nicht haben, es kommen dann aber doch ein paar mehr Kinder und Erwachsene als erwartet und ich stelle noch einige Stühle dazu. Trotzdem bleibt es schnuckelig, was für die erste Vorstellung genau richtig ist. Es läuft alles gut, ich überspringe nur versehentlich eine nette, zum Glück aber nicht wichtige Szene, weil ich schon das nächste Requisit auf die Bühne schiebe. Beim Reden komme ich mir manchmal etwas schnell vor und bremse wieder ab, und auch die Figuren stehen nicht immer perfekt. Aber alles nicht schlimm, ich bin mit der ersten Vorstellung insgesamt sehr zufrieden. Es läuft.

Während des Spielens bekomme ich Reaktionen der Kinder mit, aber meine Stücke sind keine Mitmachstücke, bei denen laut reingerufen und die Zuschauer zu Aktionen aufgefordert werden, sondern Theaterstücke, die vorgespielt werden. Ich bin mir darum nicht ganz sicher, ob den Kindern die Geschichte gut gefällt oder eher so "naja" ankommt. Der Beifall am Ende ist schön, aber auch den kann ich nicht beurteilen. Danach fragen einige Kinder, ob sie mal hinter die Bühne gucken dürfen. Ja, das dürfen sie bei mir. Und dann staune ich nur noch, als alle Kinder dicht gedrängt in der Guckkastenbühne stehen, vorsichtig die Puppen nehmen, sorgsam Requisiten ergreifen und miteinander genau die kleinen Szenen nachspielen, die sie vorher gesehen haben. "Das war toll!" strahlt mich ein Mädchen an und spielt mit einem anderen Kind die eben gesehene Taschentuch-Szene weiter. Sie haben alle aufmerksam zugesehen und sogar kleine Dialoge fast wörtlich behalten! Ich freue mich sehr. Allerdings nehme ich mir vor, demnächst andere Handpuppen dabei zu haben, damit sie spielen können, ohne dass ich sorgenvoll auf meine Schauspieler und Requisiten achten muss.

Die gelungene erste Probe-Vorstellung ist für mich gefühlt der wirkliche Start des Stückes. Die Bühne passt ins Auto, ich kann sie alleine auf- und abbauen, ich spiele alleine und das Stück funktioniert gut. Ab jetzt auf Tour: Das gurkentee-Theater mit "Tim Mütze - Ein Drache für die Königin".  

Drei Tage später habe ich die nächste Vorstellung, die wieder als Probevorstellung gilt. Ein bisschen auch als Premiere, aber ohne anschließende Feier. Es gibt schon vorher Getränke und Haribo. In der Kleinen Bühne von Szene 93 stelle ich meine Guckkastenbühne auf und einige Bekannte und Freunde aus der näheren Umgebung kommen, einige davon mit Kindern im passenden Alter. Besonders schön ist, dass einige Leute vor Jahren schon beim Stück "Ein Drache für den König" mitgespielt haben, das ich damals geschrieben habe und aus dessen Grundidee das Handpuppenstück entstanden ist.

Das Stück läuft, die Stimmung ist prima, und die damaligen Mitspieler freuen sich ganz besonders über Sätze und Ähnlichkeiten zum Menschen-Theaterstück. Manchmal lachen die Kinder laut, manchmal nur die Erwachsenen, manchmal alle - genau so soll es sein. Selbstverständlich gibt es noch viele kleine Stellen, die ich besser machen möchte, aber ich glaube, viele davon fallen gar nicht auf. Oder wenn, dann hakt es eben mal, oder eine Figur steht schräg. Das wird sich alles noch entwickeln. Am Ende werde ich mehrfach gefragt, ob ich auch woanders spiele und gebucht werden kann. Ja, sehr gerne! Neben dem ersten Termin in der nächsten Woche habe ich schon einen zweiten Anfang Juni. Puh! Ich werde nur noch unterwegs sein und mein Leben in Hotels verbringen! Ach nee, das sind ja Rockstars.

Heute geht es nach Bochum zum Figurentheater-Kolleg, wo ich das Stück schon wieder spiele. Wieder als Probevorstellung, aber dort vorwiegend vor Puppenspieleraugen, von denen zwei meinem Lehrer, Bodo Schulte, gehören. Der sieht nicht nur die kleinen Fehler, die ich selber bemerke, sondern sogar die, von denen ich gar nichts ahne. Ich bin gespannt. Natürlich würde ich lieber erst vorspielen, wenn ich das Stück schon zwanzigmal gespielt habe und viel sicherer damit bin, aber es passt gerade gut und ich freue mich sehr, das Ergebnis zeigen zu können. Ein Ergebnis, das nach den Anmerkungen, die ich heute hören werde, ganz sicher nochmal Änderungen erfahren wird. Aber die werden es nur optimieren und besser machen.

            
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