Blog 582 - 23.06.2019 - Texte, Theater und Hasenfüße

Drei Tage lang liegt mir der Text der Hasen-Nummer, den ich für den Aufritt beim Stadtfest bekommen habe, wegen der zu langen, detailreichen Monologe auf der Seele. Dann kommt mir plötzlich eine Idee, wie ich die Rolle des Moderators und die des Hasen definieren und alles leichter konsumierbar machen kann. Kaum ist die Idee da, tippe ich los und ändere den Text. Ziemlich stark. Es bleiben nur einige Grundinformationen, ansonsten quatscht der Hase jetzt drauflos und lässt den Moderator erstmal zum Nebendarsteller werden. Damit hat der Hase zwar mehr Text als vorher, aber es macht mehr Spaß, ihm zuzuhören. Ob mit dem neuen Konzept und den starken Änderungen auch der Moderator einverstanden ist, weiß ich nicht. Der ist sehr erfahren in seriöser Berichterstattung, die normalerweise informativ und ohne sprechenden Hasen abläuft.

Mit meinem Text treffe ich mich mit ihm zur Besprechung und lese die Nummer vor. Zum Glück gefällt ihm das neue Konzept. Prima! Es geht bei dem Auftritt auch nicht in erster Linie um seriöse Informationen, sondern darum, das Laufpublikum zum Stehenbleiben und Zuhören zu animieren. Da hat in der Einstiegsnummer ein quatschender Hase Vorteile gegenüber einem seriösen Journalisten.

Im sonnigen, beziehungsweise schattigen Garten bereite ich mich auf die nächste Geschworenenprobe vor und mache mir Notizen zur Regie. Der Kater findet das klasse. Weniger meine Regieideen, vielmehr dass ich mit ihm zusammen im Garten bin und wir beide gemütlich unter der Kastanie sitzen (ich) und liegen (er). Von ihm aus könnte das jeden Tag so sein. Von mir aus auch.

Bei den "12 Geschworenen" ist bei meinem knappen Zeitplan wichtig, dass bei jeder Probe alle zwölf Mitspieler da sind. Bei der ersten Probe fehlten drei Geschworene, bei der zweiten einer, jetzt ist die dritte dran und es sind nicht nur zwei Geschworene ordnungsgemäß wegen eines anderen Auftritts abgemeldet, einer wird auch noch kurzfristig krank und einer steht an einem Bahnhof und kommt nicht weiter. Damit fehlt ein Drittel der Besetzung. Können wir überhaupt sinnvoll proben? Zum Glück kann mein Sohn wieder einspringen und auch der Gatte ist da und kann eine Rolle übernehmen. Aber alles, was wir in dieser Probe besprechen und festlegen, müssen wir den vier anderen Geschworenen von vorne erklären. Das kostet Zeit, die im Probeplan nicht vorgesehen ist. Ganz abgesehen davon, dass es für die anwesenden Mitspieler schwieriger ist, mit ungewohnten Aushilfsspielern zu agieren und mit komplett fehlenden Ansprechpartnern zu reden.

Wir beginnen trotzdem mit der Probe. Kaum sind wir dran, kommt der am Bahnhof festsitzende Geschworene doch noch reingesaust, dafür kommt ein anderer Geschworener unerwartet gar nicht. Erstaunlicherweise proben wir in der verringerten Aushilfs-Besetzung intensiv und kommen gut voran. Immerhin wissen jetzt acht Geschworene schon ungefähr, wie die geprobten Szenen laufen werden, und ich hoffe, dass die anderen vier bei einer Wiederholung recht schnell drin sind.

Noch sieht es so aus, als wären in der nächsten Woche zum ersten Mal alle zwölf Geschworenen bei der Probe anwesend. Mal abwarten. Aber wieder stelle ich fest, dass die Gruppe sehr harmonisch ist und es ein Vergnügen ist, gemeinsam am Stück zu arbeiten.

Im Wohnzimmer baue ich meine breite Puppenbühne wieder auf. Ich probe ein bisschen, um wieder reinzukommen, setze mich dann aber erstmal an die Überarbeitung des Textes. Einige Sätze werden gestrichen, Szenen verstärkt und der Schluss leicht abgeändert. Ich merke selber, dass das Stück damit runder wird und gewinnt. Schon in zwei Wochen werden die Prinzessin, die Königin und Tim Mütze die überarbeitete Version spielen, darum sollte ich unbedingt darauf achten, dass sie bis dahin zu dritt bei allen Proben anwesend sind. Bei dieser Gruppe ist es kein Problem, ich schließe einfach den Kofferdeckel.

Vor mir liegt jetzt aber schon wieder eine kleine Bauliste für das Puppenstück. Die Taschentuchbox muss optimiert und vermutlich neu gebaut werden, die Kiste muss nach der Verschmälerung der Leiste eine neue Befestigung bekommen und ich brauche eine weitere Kuchenplatte. Bevor ich damit beginne, schnippel ich aber erstmal Hasenbeine und -füße. Die hat der Hase bisher nicht vermisst, aber für seinen kurzen Auftritt würde mir sehr gefallen, wenn er welche hätte. Ihm auch, das sehe ich an dem freudigen Blitzen in seinen Augen, als ich ihm die zukünftigen Hinterläufe probeweise an seinen Körper halte.

            
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