Blog 583 - 30.06.2019 - Sonnenaufgang, West Side Story und Cream Tea

Der Hase bekommt seine langen Hasenbeine und sieht damit sofort vollständig und überhaupt nicht fremd aus. Eine gute Entscheidung. Jetzt kann er bei seinem Auftritt auf einer Spielleiste sitzen und seine Beine herunter baumeln lassen, was sehr niedlich aussieht.

Der Junihitze-Rekord ist gebrochen. Tagsüber ist es deutlich über 30 Grad heiß, manchmal fast 40. Mit dem Sohn komme ich auf die Idee, dass wir sehr früh morgens spazieren gehen, um uns bewegt zu haben, ehe es zu warm ist. Der Plan ist: Um 5 Uhr Weckerklingeln, dann im Wald spazieren gehen, dabei frühe Tiere beobachten, um 7 wieder ins Bett und noch zwei Stunden schlafen. Das hört sich durchdacht an.

Blöderweise wache ich ohne Wecker um 4 Uhr auf und kann nicht mehr einschlafen, weil ich daran denke, dass der Wecker in einer Stunde klingeln wird und ich vermutlich bis dahin nicht mehr einschlafe und wenn doch, wäre es blöd, denn dann würde der Wecker gerade dann klingeln, wenn ich eingeschlafen bin und ... Um kurz vor 5 stehe ich leicht gerädert auf, kurz danach marschieren wir beide los. Der Wald des rekultivierten ehemaligen Braunkohlegebietes der "Ville" beginnt am Ende unserer Straße. Bäume, Wege und kleine bis größere Seen haben wir "um die Ecke". Der Himmel ist schon hell, die Sonne wird bald kommen, wir sind gut gelaunt und ich gähne und gähne.

Zügig gehen wir zwischen Bäumen entlang und an Lichtungen vorbei, sehen einen Fuchsschwanz (der Fuchs macht gerade einen Satz ins Gebüsch), eine Amsel und zwei Hasen. Nicht sehr aufregend, aber immerhin. Es ist sehr schön, den Sonnenaufgang mitzubekommen.

Zuhause bin ich wach. Und müde. Ich kann aber nicht einschlafen. Das ist jetzt ja mal blöd. Irgendwo hat der Plan einen Fehler.

Für die Geschworenen zeichne ich einen Wohnungsplan der Mordwohnung, mit dem wir proben können. Wegen der hohen Temperaturen würde ich für die Probe gerne hitzefrei geben, aber zum ersten Mal ist tatsächlich keiner der 12 Mitspieler abgemeldet und da bis zu den Ferien nur noch insgesamt drei Proben anstehen, ist mir das zu gewagt.

Am Abend nehmen wir die Stühle und Tische nach draußen, wo es zwar auch warm, aber nicht so stickig wie drinnen ist. Es sind ausgerechnet Szenen dran, in denen viel aufgesprungen und gelaufen wird und sogar die Tische verschoben werden. Ich will dabei erstmal eine Grundstruktur der Abläufe bekommen, was bei so vielen Tischen, Stühlen und Geschworenen auf engem Raum nicht einfach ist. Wo soll der Tisch hingeschoben werden? Was machen die einzelnen Geschworenen? Wo ist Platz zum entlanglaufen? Wie sieht die Szene später organisch und natürlich aus, ohne dass man sofort merkt, dass sie durchchoreographiert ist? Es ist beim ersten Stellen der Szene noch etwas mühsam und hölzern, aber das wird sich schon aufbröseln, da bin ich mir sicher.

Am nächsten Morgen machen wir erneut zu zweit einen Sehr-früh-am-Morgen-Spaziergang. Wir laufen der aufgehenden Sonne entgegen, gehen in den Wald, um einen See herum und in großem Bogen nach Hause. Unterwegs sehen wir eine tote Blindschleiche und eine Gruppe größerer und kleinerer Wildschweine, die etwas verwirrt wirken und sich mehrfach nach ums umdrehen. Also die Wildschweine. Die Blindschleiche nicht mehr.

Nach zwei Stunden sind wir wieder zurück und schon wieder kann ich nicht schlafen. Müde arbeite ich am Puppenstück, schleppe mich herum und kann erst am Nachmittag wegnicken. So richtig gut ist der Plan mit dem frühen Aufstehen und dem danach ins Bett kippen und sofort einschlafen nicht.

Am Abend gibt es im Kölner Musical Dome die "West Side Story", zum Glück im Original und nicht in deutscher Übersetzung. Große Klasse! Dynamische Musik, tolles Orchester, sehr energiereich und synchron getanzte Choreographien, eine schöne Inszenierung, sehr gute Darsteller. Einziger Nachteil: Es ist zu laut. Für den perfekten Genuss müssten die Regler an den Lautsprechern etwas heruntergestellt werden. Trotzdem ein beeindruckendes Erlebnis.   

Bei einem kleinen Ausflug nach Hillesheim in der Eifel gibt es im Café Sherlock den "Cream Tea". Der ist typisch britisch und besteht aus Scones, Clotted Cream und Marmelade, begleitet von starkem Tee mit Milch. Jeder Tisch im Krimi-Café ist einem Roman- oder Filmdetektiv gewidmet, alles ist sehr gemütlich und liebevoll eingerichtet und es gibt viele passende Requisiten. Unter dem Dach gibt es eine Krimisammlung und einen mit Kreide markierten Tatort. Ich fühle mich halb in einem Filmset und halb in Großbritannien. Die Scones mit dem Tee sind so lecker, dass ich erst beim Blick auf den leeren Teller daran denke, dass ich ein Foto vom frisch servierten "Cream Tea" machen wollte. Zu spät. Muss ich wohl nochmal hin.

Am nächsten Morgen geht der Wecker wieder um 5 Uhr und ich murmel verschlafen: "Was sind wir bescheuert!" Kurze Zeit später sind wir schon gut gelaunt unterwegs.

Es ist wunderschön. Wir sehen Nebel über drei verschiedenen Seen, mehrere Enten, ein Nutria und einen auf den Rücken gekippten Käfer, den wir umdrehen, woraufhin er etwas wackelig weiterläuft.

Das anschließende Schlafen klappt etwas besser, aber nicht ideal. Egal. Der Zwei-Stunden-Spaziergang, die Ruhe und die Eindrücke früh am Morgen sind es wert. Heute morgen ist aber mal Ausschlafen angesagt. Dringendes Erholen vom Spazierengehen.

            
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