Blog 585 - 14.07.2019 - Experten-Hase, Enten, Burgen und Ferien

Am Sonntag tritt der Hase beim 50-jährigen Stadtjubiläum von Erftstadt auf. Das Wetter ist sommerlich sonnig und unglaublich viele Leute schlendern entspannt und äußerst gut gelaunt über das Gelände. Wir haben im durchgehenden Programm einen 40-Minuten-Teil, in dem der Moderator Cornelius Bormann über die Gründung und die Zukunft der Erftstadt spricht und drei Gäste hat, die er kurz dazu befragt. Der Hase platzt rein, quatscht los und erklärt selbstbewusst, dass bei den Hasen in Hoppelstedt alles besser läuft.    

So ungefähr wissen der Moderator und der Hase über was sie reden wollen, improvisieren aber hin und her und sagen auch völlig ungeprobte Sachen, so dass es lebendig bleibt. Es läuft schön. Ich habe Spaß, der Moderator und die Talkgäste auch, das Publikum ebenfalls und der Hase sowieso. Sogar der etwas wackelige Pavillon bleibt stehen, was aber auch daran liegt, dass ich ihm vorher ein Gewicht verpasst habe.

Gleich nach dem Auftritt werde ich von jemandem angesprochen, der den Hasen (und mich) gerne bei einer anderen Veranstaltung im Herbst dabei hätte. Wenn es terminlich klappt, wär's doch prima.

Die "Geschworenen" haben ihre sechste Probe und danach ist der erste Probeblock beendet. Die Sommerferien beginnen und es ist probefrei bis September. Für die Darsteller ist zwischenzeitlich Textlernen angesagt, für mich stehen Vorbereitungen wie der Bau eines Boards und das Besorgen der noch fehlenden Requisiten auf dem Plan. Es macht viel Spaß mit den Mitspielern zu proben und ich mag sehr, wie konzentriert sie dabei sind und wie freundlich und angenehm die Atmosphäre ist. Alle haben ein gemeinsames Ziel: Ein tolles Stück auf die Bühne zu bringen. Die Idee, dass immer alle zwölf Spieler bei der Probe anwesend sind, hat allerdings bei sechs Proben nur ein einziges Mal geklappt.  

Auch MEINE Ferien fangen nach der letzten Probe an. Bis jetzt war immer was los, nun bin ich bis Ende August weg. Nicht immer richtig weg, aber zwischendurch wirklich und ansonsten eben auch nicht ständig verfügbar. Ich liege sozusagen sechs Wochen an irgendeinem sehr fernen Strand, rufe nur alle paar Tage die Mails ab und bin erst im September wieder da. Das brauche ich mal, um Zeit für kramen, räumen, lesen, in den Himmel gucken, kreativ sein und Luft holen zu haben.

Sofort beginne ich meine Ferien mit einem Kurzurlaub in Sachsen. Der Sohn absolvierte in Bonn ein Praktikum und war fast drei Monate bei uns, was sehr schön war, jetzt geht es an den Studienort zurück. Wir fahren zusammen und unterwegs halten wir in Thüringen an der Wartburg, laufen den steilen Weg nach oben und machen eine Führung mit. 

Die große Burg hat mit katholischer Religion zu tun (die Heilige Elisabeth lebte dort), mit evangelischer Religion (Martin Luther war dort versteckt), mit Musik (Walter von der Vogelweide sang im Festsaal), mit deutscher Literatur (Johann Wolfgang von Goethe wanderte um die Burg und organisierte den Wiederaufbau und das Museum), mit Oper (Richard Wagner komponierte seinen "Tannhäuser", der auf dem früheren Sängerwettstreit basiert, bei dem Walter von der Vogelweide dabei war) und mit meiner frühkindlichen Prägung (die Langspielplatte "Der Sängerkrieg der Heidehasen" basiert auf dem Sängerwettstreit auf der Wartburg und wurde von mir schätzungsweise zehn Milliarden Mal gehört).

Nach so viel komplizierter Geschichte und krummwinkeliger Architektur sind wir entzückt, im Wartburgshop eine Bau-Box zu entdecken, die alles auf überschaubare Grundelemente bringt. Vermutlich lässt sich mit demselben Bausatz auch die New Yorker Skyline, der Eiffelturm und die Titanic nachbilden, was ihn umso praktischer macht.

Am nächsten Tag geht es ins sächsische Augustusburg, wo nicht nur ein großes Schloss und mehrere Ausstellungen zu besichtigen sind, sondern auch die Sonderausstellung "Duckomenta", wegen der wir hauptsächlich hinfahren. Untertitel: "Große Mom-Ente der Geschichte".

Sehr konsequent und auf den ersten Blick seriös und wissenschaftlich fundiert werden Enten-Exponate gezeigt, angefangen von millionenalten Versteinerungen, über Funde aus Steinzeit und Mittelalter, bis hin zu bekannten Gemälden und Darstellungen der Neuzeit. Kleine Infotafeln erklären die Exponate und die geschichtlichen Zusammenhänge, und unser festes Weltbild erfährt massive Erschütterungen. Erschütterungen erfahren auch unsere Lachmuskeln, die immer wieder im Einsatz sind. Sehr, sehr gut gemacht!

"Hat es Ihnen gefallen?" fragt die Frau an der Kasse, als wir grinsend aus der Ausstellung kommen. Na klar, wir sind begeistert! Sie freut sich: "Wie schön! Manche Besucher kommen raus und sagen: Da sind zu viele Enten." Häh? Warum geht man denn zu einer Duck-omenta, wenn nicht wegen der Enten?

Die Burg Rabenstein ist die kleinste Burg Sachsens. Sie gefällt uns sehr und gehört zu den wenigen Gebäuden, die innen noch weniger Platz haben, als es von außen scheint. Vor allem der mächtige Turm enttäuscht im Platzangebot, denn außer einem kleinen Raum unmittelbar unter dem Dach besteht er nur aus extrem dicken Außenwänden, in deren Mitte sich eine hölzerne Wendeltreppe befindet. Sollte ich jemals darüber nachdenken, eine Wohnburg zu kaufen, wäre diese zwar originell, aber tatsächlich zu klein.

Mein sächsisch gesprochenes Lieblingswort der Kurzreise schnappe ich aus einem Gespräch vom Nachbartisch auf: Orschiedeckd. (Architekt)

            
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