Blog 631 - 31.05.2020 - Urlaubsgefühle, Videoschnitte und schöner Wald

Die Regenwasserfässer sind schon lange leer und ich gieße jeden zweiten Tag mit dem Wasserschlauch. Dass ich Leitungswasser verwenden muss, finde ich blöd, aber ohne Wasser wächst nichts. Ich mag es aber, frühmorgens in den ersten Sonnenstrahlen im Garten zu sein. Es fühlt sich an wie Urlaub. Urwaldgrün, nackte Füße und prasselndes Wasserfallwasser aus dem Gartenschlauch.   

Die Kürbispflanzen wachsen gewaltig und werden vermutlich in wenigen Wochen den Garten übernommen habe. Momentan versuchen sie sich an den Himbeerruten festzuklammern, was diese vermutlich zu Boden bringen wird. Wachsen dann unter den Kürbissen Himbeeren oder machen die Hokaidos alles platt? Ich bin gespannt.

Meine Aufenthalte im Garten lenken mich gut von "Corona in den Sozialen Medien" ab. Ich darf gar nicht lange ins Internet schauen, denn das nervt mich gewaltig. Dass einem die Blödheit anderer Leute so weh tun kann! Ich bin zu realistisch, pragmatisch und wissenschaftsnah, um an Verschwörungstheorien zu glauben oder zu vermuten, dass unter dem Vorwand einer Pandemie die Grundrechte dauerhaft eingeschränkt werden sollen. Und auch das Mimimi-Jammern nervt mich. "Die armen Kinder!" Wenn Kinder panisch reagieren, dann, weil die Eltern ihnen die Lage nicht richtig erklären. Was sagen wohl Kinder zu ihren Lebensumständen, die in Flüchtlingscamps leben müssen, Kinder, die Verantwortung für alkoholkranke Eltern übernehmen oder Kinder, die ernstlich krank sind und auf vieles verzichten müssen? Es ist alles nicht schön mit den Vorsichtsmaßnahmen, aber draußen einen Mundschutz zu tragen und etwas Abstand zu halten, während man satt und sicher leben kann, ist tatsächlich nicht wirklich schlimm. Ich jedenfalls bin froh, dass erstmal mit Vorsicht an das Problem gegangen wurde. Oder anders: "Lieber Stoff vor dem Mund, als Zettel am Zeh."

Inzwischen wird es mit den Regeln und Lockerungen aber schon absurd. Auf der einen Seite gibt es sehr hohe Sicherheitsauflagen für Theater, die Vorstellungen und Konzerte unmöglich machen, draußen stehen und sitzen viele Leute aber schon wieder dicht und ohne Mundschutz beieinander. In Düsseldorf muss ich mitten zwischen vollbesetzten Tischen hindurch gehen, die vor einer Kneipe auf dem Bürgersteig stehen. Es wird gelacht, erzählt und sieht aus wie vor Corona. Nur der Kellner trägt Mundschutz. An dem einen Ort gibt es strengste Sicherheitsbestimmungen und Abstandsregeln, woanders darf man sich mit denselben Leuten locker und eng in Kleingruppen treffen. Trotz allem bin ich recht froh, bei einer Pandemie in Deutschland zu leben. Dass es hier verhältnismäßig wenige Tote gab und darum verhältnismäßig viele Leute denken, dann sei Corona ja gar nicht so ansteckend ... - da verdreh ich mal kurz die Augen.

Sehr schön in diesen Zeiten ist, dass bei ZDF Neo die alten "Lukas"-Folgen mit Dirk Bach wiederholt werden. Ich freue mich über jede einzelne. Er spielt lustig, feinfühlig, emotional und immer wieder berührend. Seine Bewegungen, sein Lachen, seine Augen sind mir völlig vertraut. Das ist Dirk. Ein so toller Mensch. Ich lache viel und freue mich von Herzen, ihn zu sehen. Es ist immer noch unfassbar und ein großer Verlust, dass er nicht mehr da ist.

Bei meinem kleinen Videoprojekt geht es weiter. Allerdings etwas anders als gedacht. Ich bekomme das kurze Video, das ich mit weiteren Szenen bestücken soll, aber es hat unerwartet viel Bewegung und viele eigene Schnitte. Das macht es schwierig, Zusatzbilder einzufügen, ohne dass es durch ständige Positions- und Bildwechsel zu unruhig wird. Einen Teil meiner grob vorbereiteten Szenen werfe ich darum sofort wieder raus, weil sie nicht dazu passen. Das wird jetzt doch einige Tage Bastel- und Ausprobierarbeit geben, bis es harmonisch ist, aber ich habe schon ein Konzept. Schön ist, dass ich auch da in die Vergangenheit tauche und sie vertraut wiedererlebe. Das macht schon Spaß.

Meinen Urlaubsort für dieses Jahr habe ich schon gefunden: Meine eigene Terrasse, ganz oben im Garten. Vor dreißig Jahren gab es hier nur Wiese mit Brombeerranken, inzwischen ist alles zugewachsen. Mir gefällt das sehr. Die Kommentare meiner Eltern, die nach langer Zeit mal wieder zum Kaffeetrinken vorbeikommen, amüsieren mich. Meine Mutter: "Schön hier. (Pause) Schöner Wald." Mein Vater: "Früher hatte man von hier oben eine gute Aussicht." Stimmt beides. Sie meinen es auch gar nicht negativ. Vermutlich haben sie nur unbewusst den Drang zur Kettensäge. Aber meine schattige, aussichtslose Waldterrasse mit den singenden Vögeln in den Bäumen ist genau so grün, zugewachsen und gemütlich, wie ich sie haben möchte.

          
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