Blog 632 - 07.06.2020 - Statikkurs, Rosenmörder und Wurzelkampf

Die Woche beginnt weiterhin sommerlich, ich bin in Ferienstimmung, stelle die Liege in den Garten und schlafe mehrere Nächte draußen. Abends gucke ich entspannt ins Abendrot, nachts beim Umdrehen in die Sterne und morgens in den blauen Sommerhimmel. Wunderbar. Die Katze kriegt sich kaum noch ein, wenn sie mich mitten in der Nacht entdeckt, freudig schnurrend auf die Liege springt und ihr Köpfchen an meine Hände stuppst. Sie bleibt ein Weilchen und hat dann wieder wichtige Termine, während ich die Decke hochziehe, kurz in die Sterne blinzel und weiterschlafe, bis die Sonne scheint..

Erst als für Ende der Woche Regen angekündigt ist, packe ich meine Sachen, denn auf einen hastigen Aufbruch im nächtlichen Sturzregen habe ich wenig Lust. Könnte lustig aussehen, außer der Katze würde aber niemand zusehen und Spaß haben.

Dann gibt es endlich Regen. Nicht so viel wie angekündigt, aber doch mehr, als ich erwartet hatte. Von meinen beiden neuen 500-Liter-Fässern ist danach eines zu einem knappen Viertel gefüllt. Das andere noch leer. Nach Wochen ohne Regen kann ich damit immerhin etwa zehn Minuten lang gießen. Vermutlich stehen jetzt weitere Wochen ohne Regen vor uns.

Meine Kletterrose entwickelt sich vorbildlich und entwickelt durchgehend leicht duftende Blüten. Das stabile Rankgerüst, das mir erst optimistisch groß vorkam, werde ich im Herbst vergrößern müssen.  

Aber Achtung, jetzt wird es unschön! In einer der Blüten entdecke ich zuerst eine Biene, dann, dass die Biene eine kleine, weiße Blase trägt, und dann, dass die Blase die Biene trägt. Beim genauen Hinsehen stelle ich fest, dass die weiße Blase eine Spinne ist, die eine getötete Biene abtransportiert. Wie gruselig ist das denn!

Eine weiße Spinne habe ich noch nie gesehen, und eine Spinne in Rosenblütenfarbe, die unsichtbar in romantischer Umgebung auf Opfer wartet, kommt mir besonders mies vor. Da freue ich mich, dass Bienen zu meinen Rosen kommen, und dann werden sie umgebracht! Ist die weiße Spinne ein Zeichen für funktionierende Natur oder eine Gefahr für den Bienenbestand? Sicherheitshalber informiere ich mich im Internet und lerne, dass es sich um eine "Veränderliche Krabbenspinne" handelt, die oft in Blüten sitzt und ihre Farbe der Umgebung anpassen kann. Ich lese allerdings auch: "Sitzen Krabbenspinnen auf den Blüten, kommen weniger Bienen, da sie von den Spinnen vom Blütenbesuch abgehalten werden." Da hatte ich wohl eine ziemlich kurzsichtige Biene.

Im Kaninchengehege buddeln die drei Kaninchen weiterhin Gänge in den nur 30 Zentimeter tiefen Erdteil und schieben Erde in der Gegend herum. Ich hatte ihnen innenarchitektonisch alles sehr nett gestaltet, und jetzt sieht es dort aus wie auf einer Baustelle. Fröhlich buddeln sie sogar unter schweren Steinen und ihrer kleinen Holzhütte hindurch, so dass ich überlege, ihnen zu Weihnachten einen Tiefbau- und Statikkurs zu schenken. Wenn es ägyptische Kaninchen wären, würde ich sie keine Pyramide bauen lassen. Ganz praktisch ist, dass ihnen nicht auffällt, dass Erde, die sie links wegbuddeln und zur Seite schieben, rechts freiliegende Gänge zuschüttet. Den Namen "Sisyphos" kennen sie nicht und ich will ihnen da auch nicht zu viel erklären. Vielleicht nach dem Statikkurs.

Beim kleinen Videoprojekt fliegen nochmal Bilder raus, um probeweise eine zweite Version mit mehr Ruhe und eine dritte Version mit noch mehr Ruhe anzufertigen. Die dritte Version gefällt allen am besten. In der nächsten Woche kommt der richtige Ton dazu, und wenn es keine größeren Änderungswünsche mehr gibt, werde ich sie dann fertig machen. Das wird relativ schnell gehen.

Im Garten musste beim Bau des Kaninchengeheges ein zu nah stehender, großer Essigbaum abgesägt werden. Schade, denn ich mag Essigbäume sehr, auch wenn meine beiden (jetzt nur noch einer) schon recht alt und wenig belaubt sind. Kurz danach trieben aus dem etwa einen Meter hohen Reststamm viele Blätter aus, was mir sehr gefiel. Gleichzeitig trieben auch im Umkreis von einigen Metern ringsherum sehr viele kleine Essigbäume aus dem Boden, was mir nicht so gefiel. Aber klar, vom Tode bedroht bemühte der Essigbaum sich, möglichst viele Kinder in die Welt zu schicken. Unangenehm viele.

Während ich überlege, dass es vermutlich nicht reicht, die kleinen Essigbäume nur auszureißen, hacke ich neben dem Stamm in der Erde herum, um dort Stauden zu setzen. Beziehungsweise, ich will hacken, stelle aber fest, dass die Hacke nicht durchkommt, weil der Boden extrem durchwurzelt ist. Er besteht etwa zur Hälfte aus Erde, die andere Hälfte sind über- unter- und durcheinander wachsende Wurzeln des Essigbaumes. Die sind lang, fest, hart und überall. Oh je.

Wieder lese ich im Internet nach und lerne, dass es etwa zwei bis vier Jahre dauert, bis man bei konsequenter Hackerei die Wurzeln eines alten Essigbaumes entfernt hat, dass man dazu in einem Umkreis von 10 Metern arbeiten muss und dass man "schweres Gerät" braucht, um die Hauptwurzel zu entfernen. Ich erinnere mich, dass mein Vater vor sehr vielen Jahren einen Essigbaum im eigenen Garten entfernte und dass er in den Jahren danach immer wieder über die neuen Essigbaum-Schösslinge schimpfte und meine Bitte um einen neuen Essigbaum entschieden ablehnte. Da werde ich demnächst wohl etwas mit ihm gemeinsam haben. Wenn mich jemand in den nächsten Monaten sucht oder laut schimpfen hört: Ich bin am Hacken.

Der Abendhimmel am Samstag zeigt das Wetter der letzten Tage. Sommer, Herbst, Regen, Wind und Sonne. Immer wechselnd. Oder gleichzeitig.

          
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