Blog 633 - 14.06.2020 - Wurzeln, Wiedehopf und relativ viel Arbeit

In der letzten Woche überlege ich noch, meinen buddelnden Kaninchen einen Tiefbaukurs zu schenken, jetzt bin ich selber aktiv im Tiefbau. Die vielen harten Wurzeln des Essigbaums müssen raus und ich hacke tiefer und tiefer. Wenn ich denke, dass in dem kleinen Bereich vor mir endlich alles weg ist, kommt beim letzten Schlag mit der Hacke unerwartet die Oberkante einer weiteren dicken Wurzel zum Vorschein. Es ist eine mühsame Plackerei.

Meine Spitzhacke ist ein sehr guter Helfer, aber ich informiere mich trotzdem, ob es - außer einer Sprengung - noch andere Hilfsmittel zur Wurzelentfernung gibt. Dabei stoße ich auf die Wiedehopf-Hacke, von der ich seltsamerweise noch nie gehört habe. Der Wiedehopf ist ein lustiger Vogel, den es in Deutschland eher selten gibt. 

Die Wiedehopf-Hacke sieht gar nicht lustig, sondern wie eine mittelalterliche Waffe aus. Vorne hat sie eine breite, schwere Hacke, hinten eine große, scharfe Axt. Tatsächlich hat sie Ähnlichkeit mit dem kleinen Wiedehopf und dessen Schnabel und Haube, nur dass sie größer, schwerer und an beiden Enden ziemlich gefährlich ist. Ja gut, sie kann auch nicht fliegen und nicht singen und sie putzt sich nie ihr Federkleid, aber es geht ja um die Form, und die ist erkennbar. Beim Arbeiten kann ich sie in der Luft drehen und die Seiten abwechselnd nutzen. Gegen so viel Brutalität haben die Essigbaumwurzeln auf Dauer keine Chance. Vor allem nicht, wenn ich ein entschlossenes Gesicht dazu mache. Mühsam bleibt es trotzdem.

In den letzten Wochen habe ich beim Durchsehen der Festplatten auch alte Wise Guys-Clips gesehen. Bis auf zwei wurden alle schon bei Youtube hochgeladen, allerdings nicht von mir. Mich ärgert, dass manche in einem verzerrten Breitformat und verschwommen reingestellt wurden und so jetzt immer zu sehen sind. Auch wenn das Videomaterial vor zwanzig Jahren nicht so gut und knackescharf wie heute war, wäre ich doch zufriedener, wenn "meine" Clips dort in besserer Qualität zu sehen sind. Da ich gerade "Radio" und das bis dahin unveröffentlichte "Relativ" griffbereit auf der Festplatte habe, fange ich mit den beiden an.

Ich lade sie hoch und warte erstmal auf die Reaktion. Während man früher bei Youtube fast alles hochladen konnte, gibt es heute schnell eine Mahnung wegen Urheberrechtsverletzung. Und wie erwartet: Kaum sind die beiden Clips da, bemängelt Youtube, dass ich nicht Rechteinhaber bin. Na, da haben sie irgendwie Recht, aber das muss ich jetzt komplett durchziehen, damit ich es entweder offiziell machen darf oder die Festplatten endgültig im Schrank verschwinden lasse.

Während es mit Ankreuzformularen und wenig Antwortauswahl hin und her geht: "Du darfst das nicht!" "Doch ich darf das." "Gut, dann fragen wir mal den Rechteinhaber." "Macht das." "Der Rechteinhaber sagt, du hast keine Rechte." ... , telefoniere ich mit der Plattenfirma, die sich ihrerseits mit der Rechtefirma in Verbindung setzt. Ich bekomme problemlos das OK und hoffe, dass Youtube mich nicht trotzdem rauswirft, wenn ich weitere Clips hochlade und noch mehr Hinweise auf "Urheberrechtsverletzung" bekomme. Wie kompliziert! Offiziell habe ich natürlich keine Rechte an den Videoclips, aber Urheberin bin ich trotzdem. Mit-Urheberin. Sogar mit hohem kreativen und künstlerischen Anteil. Oder kurz gesagt: Ohne mich gäbe es zwar die Musik, diese Clips aber nicht. Vielleicht andere, aber diese nicht.

Etwas verwundert bemerke ich, was für eine Arbeit ich mir damals mit dem "Relativ"-Clip gemacht habe. Das Schneiden dauert ja immer schon etwas, aber dazu diese kleinen Illustrationen, die ich erst gezeichnet und dann sehr umständlich mit meinem Filmprogramm, das nicht für Trickfilme gedacht war, animiert habe. Unglaublich viel Arbeit für so einen kleinen Clip! Dagegen gab es vorher zu wenig Zeit zum Drehen des Grundclips mit den Wise Guys, denn wir hatten nur eine knappe Stunde vor einem Konzert, in der auch noch ein Nieselregen begann. Improvisation ist alles. Und jetzt sagt mir Youtube, dass ich nach dieser ganzen Arbeit, Improvisation und Kreativität keinerlei Rechte an diesem Clip habe! Verrückt!

Eine tägliche Beschäftigung bleibt das Hacken. Gegen Ende der Woche ist die Hauptwurzel mit dem Reststamm draußen, ich habe zwei volle Gartensäcke mit Wurzelstücken und am Rand der Fläche einen kleinen Erdhügel aufgeschüttet, für den ich viele Eimer mit Erde geschleppt habe. Ich sag mal so: Die Wiedehopf-Hacke macht es deutlich leichter, es bleibt aber eine Plackerei.

Knappe drei Quadratmeter um die Hauptwurzel herum habe ich bearbeitet. Abgesehen von den schmalen Wurzelläufern, die sich schon meterweit in den Garten vorgeschoben haben, bleiben noch einige Quadratmeter mehr. Und dann steht dort auch noch der zweite Essigbaum ... mitten in einem bepflanzten Gebiet mit Buchsbaum, Lavendel und einem Kirschlorbeer. Die müssen alle ausgegraben werden. Aber habe ich nicht immer schon viel Aufwand und Energie in Sachen gesteckt, wenn ich sie unbedingt machen wollte ...

          
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