Erftstadt-Magazin Nr. 134 vom 27.9.2008
Anette Dewitz - Kinderbuchautorin Giraffenpost aus Bliesheim
Giraffenpost haben Sie noch nie erhalten? Dann kennen Sie wohl
auch die kleine Giraffe ohne Giraffenpunkte nicht? Oder Anette Dewitz? Anette Dewitz ist ein kreativer Autodidakt aus Bliesheim. Für namhafte Künstler filmt und bearbeitet sie Konzertfilme. Ihre wahre Leidenschaft aber
ist das Illustrieren. Mit 46 Jahren hat die dreifache Mutter sich einen langgehegten Traum erfüllt und ein Kinderbuch illustriert, getextet und selbst verlegt. Und das mit großem Erfolg.
Auf dem Stempel steht
Giraffenpost. Links oben auf den großen Briefumschlag kommt der Aufdruck und wird heute zum Beispiel auf eine Nordseeinsel geschickt. Über 1500 Bücher “Als die kleine Giraffe ihre Punkte verlor” haben vor allem auf
diesem Wege bereits das Haus der Familie Dewitz in Bliesheim verlassen.

Im ganzen deutschsprachigen Raum und sogar in die USA hat Anette Dewitz inzwischen ihr Kinderbuch vom heimischen Küchentisch aus verschickt
“Ich bin immer wieder erstaunt, woher die Bestellungen alle kommen,” erzählt Dewitz mit strahlenden Augen. “Nicht nur aus Deutschland, auch aus der Schweiz
und Österreich, sogar aus Marbella und den USA habe ich Bestellungen.” Schon als Kind hat Anette Dewitz gerne gezeichnet und geschrieben, als sie sich
schließlich entschlossen hatte ein Kinderbuch zu machen, war von den meisten Bekannten und Freunden nurr ein ‘na endlich’ zu vernehmen. Schließlich kannten
bereits viele ihr Talent, so bekamen Nichten und Neffen zu Weihnachten und zum Geburtstag gerne mal eine selbstgezeichnete Karte oder gleich eine ganze Geschichte.
Anderhalb Jahre saß Anette Dewitz an der Fertigstellung der Geschichte von der kleinen Giraffe. Große Aquarellzeichnungen sind dem liebevollen Text
gleichberechtigt und so für jedes Alter spannend. “Kinder mögen die Geschichte, aber auch vielen Erwachsenen gefällt sie. Denn irgendwie geht es ja auch darum,
Lebenskrisen zu bewältigen und sich damit zu beschäftigen, wie es dann weiter geht.” Die kleine Giraffe, so viel darf verraten werden, lernt auf der Suche nach
ihren Punkten, dass man nicht perfekt sein muss, um glücklich zu sein.
“Ich war bei der Lesung von Hape Kerkelings ‘Ich bin dann mal weg’ und danach
war ich sicher, dass ich mein Kinderbuch nicht weiter verschieben darf, sondern anfangen muss.” Viele Ideen schwirrten Dewitz im Kopf, aber die kleine Giraffe
entsprach genau ihrem damaligen Gefühl. Auf eigenes Risiko ließ sie die erste Auflage von 1000 Exemplaren drucken. “Wenn man ein Kinderbuch ohne Verlag
macht, dann ist man für alles selbst verantwortlich. Ich bekam da schon Gedanken, wie viele Leute ich wohl kenne, die eines kaufen würden.” Doch diese
Befürchtungen erwiesen sich bald als unbegründet. Das Internet macht es möglich. Über Dewitz eigene Webseite www.gurkentee.de verkauft und verschickt sie
erfolgreich ihr Kinderbuch. Auch in Erftstädter Buchhandlungen liegt das Kinderbuch inzwischen aus. Ohne Gage liest sie mit Freude an Schulen und gibt Kindern Tipps beim Zeichnen.

In ihrem Garten mit dem Blick auf Bliesheim malt Anette Dewitz
die Aquarelle für ihr Kinderbuch von der kleinen Giraffe
Anette Dewitz ist selbst ein großer Fan von Bühnenkünstlern, so kam es auch zu
ihrem Engagement Konzertfilme zu drehen. Von da ab war der Gedanke nicht weit, aus der Geschichte auch ein Hörbuch zu machen, welches jedem Exemplar
beiliegt. Wie selbstverständlich erklärten sich Purple Schulz, die Wise Guys, Biggi Wanninger, Isabel Varell, Dirk Bach und viele andere bereit, die Stimme der
Urwaldtiere zu übernehmen. Am Mischpult saß Dewitz Ehemann Rüdiger. “Wir haben ihre Stimmen einfach dort aufgenommen, wo sie Zeit und Lust hatten, in
Badezimmern, Künstlergarderoben oder in ihrem Wohnzimmer.” Dass man dies der Aufnahme nicht anhört und echtes Urwaldgefühl aufkommt, versteht sich von selbst.
Inzwischen sitzt Anette Dewitz bereits an dem Nachfolger. “Tim und der Apfelquieker” soll noch dieses Jahr erscheinen. In dieser Geschichte findet ein
Junge ein seltsames Tier und muss es nicht nur vor der Presse, sondern auch vor seinem Vater verstecken, der allergisch gegen Tierhaare ist. Das dritte Buch ist
bereits auch schon geplant und soll Ende 2009 erscheinen. “Als ich das erste Buch an eine mir fremde Person verschickte, fragte ich mich noch, ob ich demjenigen da
tatsächlich auch ein richtiges Buch schicke. Nach den vielen Lesungen und verkauften Büchern bin ich da selbstbewusster geworden. Heute spiele ich die
Kinderbuchautorin nicht mehr, heute bin ich das. Ich habe gefunden, was ich wirklich mag.”
(Philipp Wasmund)
|