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Blog 924 – 11.01.2026 – Berlin, Jahresrückblick, Neptunbrunnen und Schnee

Meine freien Tage, die kurz vor Weihnachten begannen, nähern sich dem Ende. Das passt auch, denn ich habe gemütlich vor mich hin gelebt, mich dabei gut erholt und merke, dass ich jetzt wieder aktiv werden möchte. Vor zwei Wochen war mir der Gedanke, dass ich noch eine Liste von Unterlagen bei Behörden anfragen und aus Ordner zusammentragen muss und dass wir in den nächsten Wochen das Haus meines Vaters ausräumen müssen, eine Last. Inzwischen habe ich den Kopf wieder frei und fühle mich ausgeruht, so dass ich das angehen kann. Diese Woche habe ich aber noch für mich.

Meinem Esel nähe ich endlich Augenlider an und er bekommt Körperfell und Arme. Damit sind die drei Figuren für das Stück fast fertig. Einige Details fehlen noch, ich muss mich auch noch um ein paar Requisiten kümmern, aber die drei Darsteller sind da, die Geschichte ist fertig, bald können die Proben beginnen. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sage ich da mal – ein Satz, der auch im Stück immer wieder vorkommen wird.


Am Dienstagabend packe ich meinen Rucksack, denn am nächsten Morgen möchte ich für drei Tage nach Berlin fahren. Dort sehe ich den „Kabarettistischen Jahresrückblick“ an, der seit 1997 in jedem Jahr gemacht wird. Vor gefühlt 10, tatsächlich aber 20 Jahren habe ich ihn mir schon mal angesehen und wollte seitdem immer mal wieder hin. Aber wie das so ist – die Kosten für Eintrittskarte, Fahrt und das Hotelzimmer sind nicht wenig und ausgerechnet im Winter nach Berlin? Da aber nach dieser Saison zwei der fünf Mitglieder, nämlich Manfred Maurenbrecher und Horst Evers, aufhören, ist es für mich die letzte Chance, das alte Ensemble nochmal zu erleben. Und damit sich die Fahrt noch mehr lohnt, will ich am zweiten Tag viel herumlaufen, in ein oder zwei Museen gehen und am Abend spontan ein Theater besuchen. Zwischendurch werde ich mich mit einem Freund zum Kaffeetrinken treffen, und am Freitag habe ich noch einen halben Tag, um in mindestens ein weiteres Museum oder eine Ausstellung zu gehen. Meine Bahn fährt erst am Nachmittag zurück.

Der Plan ist prima, aber das Wetter mischt sich ein. Es wird winterlich. Am Mittwochmorgen ist ganz Deutschland von einer dünnen Schneeschicht bedeckt. Die Wettervoraussagen schwanken, in Norddeutschland wird mehr Schnee angesagt, aber noch ist alles entspannt und der Hinfahrt steht nichts im Wege. Ich nehme mir Mütze, Handschuhe und eine Thermostrumpfhose mit.

Blick auf die Domspitzen durch das Bahnhofsdach

Hach, drei Urlaubstage! Ich bin sowieso in Aufbruchsstimmung, weil mir das Jahr 2026 deutliche Veränderungen bringen wird. „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling ist darum die perfekte Reiselektüre, auch wenn ich es schon mehrfach gelesen habe. Als Hape damals seine erste Lesung in Köln mit dem Buch hatte, saß ich, gerade einigermaßen vom Burnout genesen, im Publikum und entschied noch während der Lesung, dass ich jetzt endlich mein Kinderbuch machen werde. Weniger für andere arbeiten, konsequenter für mich. Jetzt stehe ich schon wieder vor offenen Wegen und bin dabei so unabhängig wie noch nie. Ich weiß aber recht gut, was ich machen möchte und was nicht, darum wird es keine spektakulären Ausbrüche geben. Die Richtung stimmt ja schon. Trotzdem passt Hapes Buch sehr gut zu meiner Stimmung.

In Berlin angekommen, checke ich im Hotel ein und sehe mir im Internet an, was es am nächsten Abend für Veranstaltungen gibt. Es sind nicht allzu viele, weil vermutlich noch alle in der Neujahrspause sind. Drei Sachen finde ich ganz interessant, nachdem ich ein bisschen darüber gelesen habe, wähle ich das Musical „Kinky Boots“ im Admiralspalast. Restkarten gibt es noch, da wird es kein Problem sein, morgen an der Abendkasse noch ein Ticket zu bekommen. Schön, ist das schon mal klar. Etwas später fahre ich mit der U-Bahn nach Reinickendorf, wo im Ernst-Reuter-Saal der Kabarettistische Jahresrückblick stattfindet.

Manfred Maurenbrecher, Horst Evers, Bov Bjerg, Christoph Jungmann und Hannes Heesch lesen, singen und parodieren, Jogi Löw, Angela Merkel, Heidi Reichinnek und Julia Klöckner sind – auf den Punkt getroffen – auch dabei, Manfred erzählt wunderschöne Geschichten am Klavier und Horst ist rappender Bahnbeamter. Ich habe viel Spaß und freue mich, dass ich da bin. Die Gruppe wird in der nächsten Saison mit zwei neuen Frauen weitermachen, aber die typischen Beiträge von Manfred und Horst werden schon fehlen. Jedoch: Das Leben ist Veränderung und wenn es Zeit für Neues ist, sollte man nicht am Alten festhalten.


Am nächsten Morgen ist es weiterhin kalt, die Bürgersteige sind mit Eisplacken bedeckt, aber gestreut.

Ich bin warm eingepackt und laufe herum. Der Neptunbrunnen ist im Winterschlaf. Ich sehe den immer gerne, denn jahrzehntelang gab es eine verkleinerte Version im Phantasialand, die das Erste war, was man beim Reinkommen sah.

Am Ende der Straße von „Alt Berlin“ stand dann das Brandenburger Tor. Ebenfalls verkleinert, aber für mich seit frühester Kindheit ein völlig vertrauter Anblick. Im Phantasialand war ich deutlich öfter als in Berlin. Der Anblick des originalen Brunnens löst bei mir immer ein liebevolles Lächeln aus.

Im Laufe des Vormittages häufen sich Meldungen, dass es starke Schneefälle in Norddeutschland gibt und eine Schneefront am nächsten Tag auch über Berlin ziehen wird. Schon jetzt streicht die Bahn die ersten Zugverbindungen. Ich mache mir keine Sorgen über Schnee in Berlin, aber wenn mein Zug am Freitag vielleicht gestrichen wird und andere überfüllt sind, komme ich nicht gut nach Hause. Die Meldungen werden immer dramatischer, die Zugbindungen werden aufgehoben und die Bahn rät, das Reisen am Freitag möglichst zu vermeiden. Na, toll. Ich könnte alternativ natürlich zwei Tage länger in Berlin bleiben und erst am Sonntag zurückfahren, aber tagsüber ist es kalt und abends gibt es gerade zu wenig Abendprogramme, die ich gerne ansehen würde. Ach, dann nehme ich lieber heute noch eine Bahn und fahre einen Tag früher zurück. Das ist schade, aber im Schneechaos muss ich auch nicht unbedingt steckenbleiben.

Mittags packe ich meinen Rucksack komplett wieder ein, checke im Hotel aus und fahre zum Treffen im abgesprochenen Café. Da ist es gemütlich, der Kaffee ist gut und wir sitzen entspannt und unterhalten uns vertraut. Schön, dass es geklappt hat.

Eineinhalb Stunden später mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Noch sieht alles normal aus, aber der Himmel zieht sich zu und es werden weiterhin Zugverbindungen gestrichen.

Mein Zug kommt und die Rückfahrt nach Köln verläuft störungsfrei und ohne jeden neuen Schnee. Der Kaffeefreund aus Berlin fragt unterwegs per SMS an, wie es aussieht, denn bei ihm hat inzwischen ein Schneesturm losgelegt. Ich scheine dem so gerade entwischt zu sein. Nach fünf Stunden Fahrt bin ich am Kölner Hauptbahnhof und stehe dort eine ganze Stunde wartend herum, denn die Regionalbahn, die mich den letzten, kurzen Weg nach Hause bringen soll, verzögert sich in der Ankunft immer weiter. „Wegen Nichtbereitstellung eines Zuges“ wird durchgesagt, eine Erklärung, die ich zumindest logisch finde. Am Abend bin ich gut zuhause, am nächsten Morgen wird meine ursprünglich gebuchte Zugverbindung ersatzlos gestrichen, wie auch alle weiteren Direktverbindungen von Berlin nach Köln. Alles richtig gemacht mit der früheren Abfahrt, würde ich sagen.

Das Schneefeld zieht über Teile von Deutschland und kommt in der Nacht auf Samstag auch in meiner Gegend an. Es sieht nach viel Winter aus, der Schnee ist aber pappig und zu warm ist es auch. Aber es ist optisch eine schön winterliche Atmosphäre, die ein netter Abschluss meiner Winterferien ist. Wenn der Schnee weg ist, lege ich wieder los.

Das wird morgen sein. Ich werde mir meine zur Seite gelegte To-do-Liste ansehen und telefonieren, in Warteschleifen hängen, sortieren, suchen und abhaken. Und Kisten leeren und Ordner durchsehen. Viele Ordner. Und viele Kisten. Zu tun ist noch einiges.