Blog 925 – 18.01.2026 – Unterlagen, Architektenpläne und Stopfwolle
Meine Güte, was ist das für ein Aufwand, um die Unterlagen zu bekommen, die für ein Gutachten und einen Hausverkauf gebraucht werden! Ich habe eine eher kleine Liste, auf der einige Begriffe stehen, und lese mich zunehmend verzweifelt durch Behördenseiten im Internet. Grundbuchamt, Katasteramt, Bauordnungsamt …

Immerhin weiß ich jetzt, warum so viele Notare und auch windige Geschäftemacher anbieten, dass sie die benötigten Unterlagen gegen Gebühr besorgen. Den Grundbucheintrag kann ich anscheinend online anfordern, muss dafür aber wissen, welche Ausführung ich brauche. Alles kostet, und ich bin mir nicht sicher, ob ich tatsächlich erstmal 50 Euro für einen generellen Zugang zum Online-Verfahren bezahlen muss, um dann gebührenpflichtig meinen einzelnen Grundbucheintrag anfordern zu können. Also nee, ich bin wirklich nicht doof, aber sich durch diese amtlichen Informationen und wenig klaren Angaben zu wühlen, ist schon eine Zumutung. Vermutlich brauche ich vorher sowieso die amtliche Erklärung, dass ich Erbin bin. Die habe ich Anfang Dezember beantragt, sie ist aber noch nicht da.
Da wende ich mich lieber erstmal dem Bericht über den „Kabarettistischen Jahresrückblick 2025“ zu. Es werden sogar zwei Berichte, denn vor zwanzig Jahren habe ich schon mal einen geschrieben, den ich nach dem Umstellen meiner reihedrei-Homepage noch nicht wieder veröffentlicht habe. Jetzt überarbeite ich ihn kurz und stelle ihn ebenfalls auf die Homepage. Für das Archiv ist es schön, dass jetzt beide Berichte dabei sind.
Der Gutachter, der das Haus meiner Eltern bewerten wird und dazu die Unterlagen braucht, meldet sich und bestätigt, dass das Verfahren des Beantragens für Ungeübte nicht ganz so einfach ist. Er weiß allerdings genau, was er braucht und bietet an, die Unterlagen selber zu besorgen. Gegen eine sehr überschaubare Gebühr, die für die Kosten der Ausdrucke und seinen Zeitaufwand völlig in Ordnung ist. Ja, ja, sehr gerne! Ich atme erleichtert auf. Das wird mir einige Stunden Verzweiflung und Jammerei ersparen. Vermutlich hat er erkannt, dass es länger dauern würde, mir den Unterschied zwischen Baulasten- und Altlastenauskunft zu erklären, als die benötigte Akte schnell selber zu beantragen.
Ein kleiner Niederländisch-Sprachkurs für Anfänger, für den ich mich im Dezember angemeldet habe und der nächste Woche beginnen sollte, wird mangels Anmeldungen abgesagt. Ich habe gerade das dafür verlangte Sprachbuch für fast 30 Euro gekauft. Da war ich wohl zu früh dran. Mit dem Freuen auf den Kurs und mit dem Kaufen. Und da anscheinend in jedem Sprachkurs ein anderes Buch benutzt wird, werde ich das frisch gekaufte wohl nie wieder irgendwo einsetzen können. Am besten kaufe ich mir demnächst für 15 Euro noch das Lösungsbuch dazu, damit ich eine Chance habe, es im Sommer alleine durchzuarbeiten. Das ist allerdings ohne korrigierendes Lehrpersonal viel mühsamer. Maar ik wil het echt graag leren – aber ich will es wirklich gerne lernen.

Kurzfristig buche ich als Ersatz „Niederländisch für den Urlaub“ an einem April-Wochenende. Das ist auch OK, da prasseln nur die Informationen über Stunden geballt auf mich ein und meine Hirnzellen haben währenddessen keine Zeit, die Sachen zu katalogisieren und in die richtigen Fächer zu legen. Ich möchte lieber Pausen zwischen kleineren Einheiten haben, um zu wiederholen und damit die Basis richtig zu verstehen. Immerhin gehe ich mit Vorkenntnissen in den Anfänger-Kurs, denn vor geschätzt vier Jahren war ich schon mal bei einem Wochenendkurs Niederländisch und habe davon noch viel behalten. Vielleicht hilft mir das jetzt, trotz des vollen Kurstempos, eine gute Grundlage zu bekommen. Alternativ könnte ich langsam aufbauende Niederländischkurse bei der Volkhochschule belegen. Aber so gründlich und genau will es dann doch nicht machen. Ich brauche die Sprache gar nicht. Ich mag sie nur sehr.
Am Dienstag macht sich der Sohn von Australien aus auf den Weg nach Hause. Bei ihm ist es schon Nachmittag, bei uns hat der Dienstag gerade erst begonnen. Er ist uns zeitlich einen halben Tag voraus und fliegt jetzt wieder zurück in unsere Zeit. Darum schafft er 24 Stunden Flugzeit auch vom Dienstagnachmittag bis zum Mittwochmorgen, also in der Hälfte der Zeit. Verblüffend.

Während er fliegt, sehe ich alte Ordner meines Vaters durch. Für das Wertgutachten des Hauses brauche ich nicht nur behördliche Unterlagen, sondern auch Infos zum Haus, seinen Grundrissen und Modernisierungen. Und so blättere ich mich durch Architektenpläne, Dahrlehensanträge über 10.000 DM und Rechnungen über „1 Sack Putz 2,70 DM“.

Am nächsten Morgen fahre ich mit dem Gatten sehr früh zum Düsseldorfer Flughafen, um den Sohn abzuholen. Er kommt vom Sommer, dem Strand vor der Haustüre und 20 Grad warmen Meerwasser in winterliches Nieselwetter. Da ist nicht nur das Zeitgefühl eine Umstellung. Als nette Eltern bringen wir ihm ein Picknickpaket mit, damit er am ersten Tag nicht sofort einkaufen muss, sondern ausschlafen und zwischendurch essen kann.
Am nächsten Tag bekommen wir einen Halbtags-Ferienhund. Ich bin zweimal draußen unterwegs, um mit dem dog zu walken. Der ist generell sehr brav und ein angenehmer Gast.

Eher zufällig sehen wir, dass es im Stream die „West Side Story“ von Steven Spielberg aus dem Jahr 2021 gibt. Bei Neuverfilmungen bin ich immer skeptisch. Warum etwas richtig Gutes wiederholen wollen? Wir lesen, dass die nachgemachte West Side Story ein Kinoflop war – ja, klar -, und sieben Oscar-Nominierungen hatte – häh? Es wurde nicht geguckt, aber gelobt? Voreingenommen ablehnend gucken wir „mal rein“ – und sind schon in den ersten Minuten total begeistert. Was für ein Hammer-Film! Das ist der immer noch großartige West Side Story – Musicalfilm von 1961 in einer aktuelleren und schärferen Version.

Es gibt weiterhin die tolle Bernstein-Musik, großartige Choreografien und eine gute Geschichte, dazu wunderbare Filmbilder und eine glaubwürdigere, aktuellere Umsetzung. Wow! Die Spielberg-Version ist auf keinen Fall schlechter als das kultige Original! Warum hat die niemand im Kino gucken wollen? Die ist großartig!
Im Haus meiner Eltern sehe ich weiterhin Schubladen und Bücherregale durch, um rauszulegen, was ich behalten möchte. Von meiner Mutter ist noch viel Nähzubehör da. Ich habe überhaupt keinen Platz dafür, aber ich wäre ja blöd, wenn ich nicht behalten würde, was ich noch brauchen kann. Es gibt neben Stecknadeln und Maschinenzubehör auch noch sehr viel Stopfwolle, die zum Teil schon alt ist – vermutlich schon von meiner Oma übernommen -, aber wer stopft heute noch aufwändig und braucht dafür 104 Farbtöne? Ich nicht.
