Blog 933 – 15.03.2026 – Schrott, Bildrückführung und Rohkostteller
Am Sonntagabend zeigt sich überraschend, dass es gut wäre, wenn ich am nächsten Tag nach Frankfurt fahre. Es ist nicht superduperwichtig, aber der Sohn könnte kurzfristig Kleidung aus unserem Fundus für das Theaterstück brauchen, das in zwei Wochen Premiere und an diesem Dienstag Fototermin hat. Wäre gut, wenn er möglichst schnell weiß, welche Kleidungsstücke er auf der Bühne trägt, damit er die in zwei Tagen auch schon für die Fotos anziehen kann. Vermutlich muss er auch noch eine Hose kaufen. Tja, mit einer plötzlichen Fahrt nach Frankfurt hatte ich nicht gerechnet, aber nach kurzem Überlegen erkläre ich den Montag zu einem Urlaubstag, der mich von der Aufräumarbeit befreit.
Gut gelaunt fahre ich am Morgen los. Auf der gut zweistündigen Hinfahrt stelle ich keine Musik an, denn im Kopf springen Szenen und Dialoge für mein Theaterstück herum. Wie schön, dass ich gerade alleine unterwegs bin und Ruhe und Zeit habe, mich damit zu beschäftigen. Tatsächlich festige ich einige Sachen, habe weitere Ideen, streiche die ursprüngliche Grundidee, weil die bei dem neuen Schluss komplett überflüssig geworden ist, und merke, dass sich alles geschmeidig zusammenfügt. Im Sommer werde ich mich ans Schreiben machen und dann aus meinen Notizen und Teilstücken ein bühnenfertiges Stück machen. Es wird sechs bis acht Spieler*innen geben, wobei mir acht etwas viel vorkommen und sechs zu wenig. Also vielleicht sieben? Festlegen werde ich mich erst, wenn ich mit dem Schreiben beginne und selber abschätzen kann, was gut passt. Aber zwei Nebenrollen sind sicher, von denen eine nur in den ersten 15 Minuten mitspielt und die zweite am Anfang dabei ist und am Ende nochmal 10 Minuten hat. Das ist kurz, aber vielleicht finde ich genau dafür dann die passenden Leute, die sich freuen, dass sie mitspielen, aber deutlich weniger Probezeit haben. – So sehr das Menschen-Theaterstück jetzt auch im Kopf herumspringt und ich mich über Ideen freue und Notizen mache – mein gerade in der Parkposition wartendes Puppen-Theaterstück wird auf jeden Fall vorher fertig gemacht. Das scharrt schon mit den Hufen – vor allem der Esel – und zeitlich ist das kein Problem.
Beim Sohn in Frankfurt angekommen, probiert der die mitgebrachte Kleidung durch und kann ein Teil davon tatsächlich brauchen. Die Hosen leider nicht, darum fahren wir mit der S-Bahn in die Innenstadt, er kauft eine Hose und danach stöbern wir noch im Tee- und im Asialaden.

Wir essen gemeinsam, ich lege mich auf sein Sofa und schlafe eine Stunde lang fest ein, wir trinken Tee und begutachten den Balkon und die ersten Wildbienen. Dann ist es schon Zeit für seine abendliche Theaterprobe und ich mache mich auf den Rückweg. Es gibt wenig Verkehr und keine Staus, und abgesehen von den heftigen Spritpreisen von knapp 2 Euro pro Liter, die der strunzdumme Trump mit seiner naiven Weltsicht und einem Angriff auf den Iran ausgelöst hat, und die den Tagesausflug teuer machen, ist es ein entspannter und wirklich schöner Tag. Auf dem Rückweg höre ich dann aber Musik, denn die Hirnzellen meinen, sie hätten für diesen Tag genug überlegt.
Am nächsten Morgen fahre ich zum Haus meiner Eltern, schleppe das in der letzten Woche vorsortierte Metall aus dem Keller ins Auto und fahre zum Schrottplatz. Der gemischte Stahlschrott kommt zum Wiegen in eine alte Badewanne. Ich habe ich 80 Kilo gebracht, für die ich 8 Euro bekomme.

Auf einer anderen Waage landen 5 Kilo Messing und 5 Kilo Kupfer, für die es über 50 Euro gibt. Ich gucke verblüfft auf insgesamt 70 Euro, die an der Kasse rübergeschoben werden. Wow! Damit hatte ich nicht gerechnet.

Wieder im Haus zurück sehe ich, dass ich einen halbvollen Eimer mit Schrauben in der Garage vergessen habe. Der hat bestimmt 4 Kilo und den bringe ich demnächst als Stahlschrott noch hinterher, das könnten nochmal 40 Cent werden!
Am späten Abend fällt mir auf, dass das Kaninchen Paul nicht nur seit einigen Tagen den Kopf wieder deutlich schräg hält und oft still herumsitzt, sondern jetzt auch umfällt und liegenbleibt, wenn ich ihm zu nahe komme. Die ganze Zeit beobachte ich ihn auf Anzeichen seiner akuten Atemprobleme, die er vor kurzem hatte, jetzt erkenne ich plötzlich, dass das sehr nach Enzephalitozoonose aussieht. Kann das denn sein? Er hat doch bestimmt von der langen Medizingabe im Dezember und Januar noch Antikörper oder so was im Blut. Ein kurzer Blick ins Internet informiert mich, dass die Enzephalitozoonose jederzeit erneut ausbrechen kann. Ja, jetzt passt alles. Da werde ich morgen früh gleich bei der Tierärztin anrufen.
Am nächsten Morgen liegt Paul komplett auf der Seite, frisst aber von der Petersilie, die neben ihm liegt. Ihm ist krankheitsbedingt schwindelig, der Kopf steht schräg, was die Orientierung noch schwieriger macht, aber trotzdem kugelt er sich auch noch gezielt bis zum Napf mit den Haferflocken. Dieser tapfere Kerl! Ich rufe bei der Tierärztin an und bekomme einen Termin am Nachmittag. Das wird er aushalten und bis dahin kann ich noch einiges erledigen.
Zuerst fahre ich bei einer Malerin vorbei, von der seit über 30 Jahren mehrere Bilder im Haus meiner Eltern hingen. Weder meine Schwester noch ich haben Platz für weitere Bilder, und so haben wir überlegt, ob die Malerin sich freuen würde, wenn sie ihre eigenen Bilder zurückbekommt. Über Facebook hatte ich mit ihr Kontakt aufgenommen, woraufhin sie sich vorsichtig meldete, denn angesichts der seltsamen Anfrage hatte sie Sorge, auf Betrüger reinzufallen. Bei einem Telefongespräch konnte ich aber alles erklären und sie fand die Idee sehr gut.

Sie und ihr Mann empfangen mich herzlich und anhand eines Fotos erkennen sie auch meine Eltern sofort wieder. Auch bei den Bildern gibt es ein gerührtes Wiedererkennen und sie freut sich wirklich, ihre Werke nach so langer Zeit wieder zu sehen. Wie schön, dass die Bilder ein gutes Zuhause gefunden haben, noch dazu bei ihrer Erschafferin!
Danach fahre ich weiter zum Haus meiner Eltern, wo ich herumräume, sortiere und Sperrmüll und Holzreste in das Auto lade. Nach dem Mittag fahre ich rechtzeitig nach Hause, um mit Paul zur Tierärztin zu fahren. Als ich ihn dazu aus dem Freigehege holen will, finde ich ihn zusammengekrümmt in einem Erdloch liegen. Seine Partnerin hat im Frühlingsfieber eifrig Löcher gebuddelt und er ist in eins gefallen und kommt nicht mehr raus. Oh, nein, auch das noch! Sein Fell ist nass und mit Schlamm verschmiert. Er ist erschöpft und schlapp, aber er atmet und wehrt sich beim Hochheben sogar leicht. Schnell säubere ich sein Fell ein wenig und ab geht es in die Praxis. Tatsächlich wird dort die vermutete Enzephalitozoonose bestätigt, deren erneuter Ausbruch wohl auch durch seine Immunschwäche nach der letzten Erkrankung erleichtert wurde. Aber noch einmal geben wir dem kleinen Kämpfer eine Chance. Er frisst und schafft es vielleicht nochmal. Sicher ist das aber nicht.
Im Freigehege lege ich ihn in eine strohgepolsterte Box, in der er sich strampelnd umdrehen kann, wenn er zwischendurch die Orientierung verliert und in Panik gerät, aber nicht frei durch die Gegend rollen und in gebuddelten Löchern hängenbleiben. Er liegt mit verdrehtem Kopf auf der Seite und bewegt sich kaum. Salat und Petersilie frisst er trotzdem mit Appetit. Ob er morgen noch lebt? Das frage ich mich bei seinem Auf und Ab seit Wochen jeden Morgen, aber selten war es so kritisch wie jetzt.

Am nächsten Morgen gehe ich mit bangen Vorahnungen zum Freigehege. Er liegt verdreht, frisst aber sofort an der mitgebrachten Petersilie und den frischen Löwenzahnblättern. Da waren meine Vorahnungen dann doch falsch.
Mit dem am vorherigen Tag vollgeladenen Auto fahre ich zur Deponie. Diesmal landen im Holzcontainer auch eine Puppenwiege und ein Puppenkleiderschrank, die mein Opa baute und mit denen ich viel gespielt habe. Das tut schon etwas weh, aber sie sind nicht mehr ganz in Ordnung, so dass ich sie auch nicht verschenken kann. Als sie im Container aufschlagen, zerfallen sie in viele Teile. Das ist gut, denn damit ist das Thema abgeschlossen und ich überlege auch nicht, ob ich in den Container klettern und sie wieder rausholen soll. Loslassen. Die Erinnerung bleibt.
Als ich nach Hause komme, kreisen drei Bussarde krächzend über dem Haus und fliegen zwischendurch sehr niedrig. Ich vermute, dass es Bussarde sind. So richtig kenne ich mich mit Greifgeflügel nicht aus. Geier, die es auf Paul abgesehen haben, sind es jedenfalls nicht. Sie so nah zu erleben, ist spannend.

Weil Paul gerade nicht gut Obst und Gemüse am Stück essen kann, rasple ich für ihn etwas Möhre und Apfel, gebe Haferflocken dazu und garniere mit frischem Grün. Es sieht aus wie ein Vorspeisenteller im Bio-Restaurant.

Paul ist vom Menüteller begeistert und rappelt sich, so krank wie er ist, sogar wackelig hoch. Den Kopf kann er nicht gerade halten, aber er frisst den Teller leer. Danach liegt er wieder platt und erschöpft auf der Seite, aber das darf er auch. Sein Gleichgewichtssinn ist gerade extrem gestört und die ganze Welt dreht sich um ihn. Wichtig ist, dass er gut frisst, um wieder Kraft zu bekommen.

Auch am Freitag räume ich bei meinen Eltern, und da meine Schwester das an den Wochenenden auch macht, sind jetzt die ersten Räume leer. Es wird übersichtlich. Ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation kommt vorbei und nimmt alle Kartons mit Kleidung und die beiden Rollatoren mit. Das ist schon mal gut, auch wenn die Rollatoren in den letzten Jahren so zum Bild meiner Eltern gehörten, dass ich schon schlucken muss, als er sie rausrollt. Leider kann der Mitarbeiter von dem vielen Einzelteile-Haushaltskram nichts gebrauchen. Auch andere Hilfsorganisationen haben schon abgewinkt. Schüsseln, Schalen, Vasen und Dekozeug stopfen ihnen die Regale zu und werden wenig gebraucht. Die Sachen werden wir jetzt verstärkt vor das Haus zum Verschenken stellen. Bisher geht da immer schon etwas weg. Einige alte Schreibtische müssen wohl noch zum Sperrmüll, für die Schlafzimmermöbel, das Sofa und die Sessel sowie den Esstisch mit Stühlen versuchen wir Abnehmer zu finden. Das Sozialkaufhaus, das damit wirbt, Möbel zu nehmen, um sie preiswert weiterzugeben, hat mir abgesagt, weil sie gerade so voll sind, dass sie Annahmestopp haben. Schade.
Paul liegt weiterhin in seiner strohgepolsterten Kiste und wird zwischendurch von seiner deutlich größeren Frau betreut, die hineinspringt, ihm sorgfältig das Fell ableckt und nebenbei alles wegfrisst, was noch an Essen herumliegt. Damit ich ein bisschen Kontrolle über die Menge seiner Nahrung habe, gehe ich mehrfach am Tag mit geraspeltem Gemüse und knackigen Grünrollies raus und füttere ihn, wenn er zu müde zum Alleinefressen ist, aus der Hand. Manchmal nehme ich ihn dazu auf den Schoß. Dann liegt er verdreht, fühlt sich aber trotz seiner Kreislaufprobleme sicher, weil er fest umschlossen ist, und ich gebe ihm portionsweise Möhren-Kohlrabi-Apfel-Geraspeltes mit darin eingeweichten Haferflocken ins kleine Maul. Er frisst mit großem Appetit und kaut laut. Das ist schon sehr niedlich. Und manchmal sitzt er in seiner Kiste auch schon wieder wackelig auf vier Füßen, frisst oder putzt sich, ehe er erneut umfällt und liegenbleibt. Er scheint kräftiger zu werden. Sieht doch ganz gut aus.