Blog 948 – 28.06.2026 – Heiße Tage, Notartermin und sehr viel Eis
Die meisten Tage beginnen in dieser Woche mit dem Gießen des Gartens. Die Sonne erscheint manchmal gerade erst am Horizont, es ist noch relativ kühl. Relativ, denn warm ist es auch schon am Morgen. Meine Solar-Wassersysteme arbeiten zwar gut für eine normale Grundversorgung, bei der aktuell großen Hitze brauchen sie aber Unterstützung. Der Klimawandel steht nicht mehr bevor, er zeigt die ersten Auswirkungen und kann nicht mehr zurückgedrängt werden. Sehr heiße Tage und Nächte über einen längeren Zeitraum werden wir in den kommenden Jahren immer häufiger haben. Die Aussage: „Früher war es auch heiß“ zeigt deutlich, dass es jemand immer noch nicht begriffen hat.

Am Montag ist der Notartermin, bei dem der Vertrag zum Hausverkauf gemacht wird. Um 14:30 Uhr muss ich in Rodenkirchen sein, das etwa 30 Fahrminuten entfernt ist. Vermutlich weil die Sonne so brennt, setzt mein Hirn etwas aus und ich freue mich, dass ich am Anfang des Ortes einen guten und sogar kostenfreien Parkplatz finde. Ich habe noch Zeit und bis zur Innenstadt sind es nur 1200 Meter, bis zum Notar etwa 2000. Einen kleinen Spaziergang und einen Bummel an den Geschäften vorbei halte ich für eine gute Idee. Aber nur 100 Meter lang, dann merke ich, dass das Laufen bei knalliger Sonne, 34 Grad und auf überhitzten Betonwegen ziemlich blöd ist. Ich habe aber auch keine Lust, zum Auto zurückzugehen, um 1000 Meter später in ein Parkhaus zu fahren. Als ich an der Tür eines dm vorbeikomme, spüre ich kalte Klimaanlagenluft herauskommen. Schnell gehe ich rein und gucke mir sorgfältig alle Waren auf allen Regalen an. Danach bin ich deutlich abgekühlt. Eine halbe Stunde habe ich noch, die verbringe ich in einem ungemütlichen, aber schattigen Eiscafé. Der bestellte Eiskaffee schmeckt nicht gut, weil der Kaffee unangenehm bitter ist. Egal, Hauptsache, ich bin im Schatten und heize nicht weiter auf.
Das Büro des Notars liegt am anderen Ortsrand und von dort ist schon ein Pfeiler der hellgrünen Rodenkirchener Brücke zu sehen, die über den Rhein geht. Wenn ich sie ab und zu mal mit dem Auto überquere, denke ich meistens daran, dass mein Onkel Gottfried Ende der 60er-Jahre, hoch oben auf einem Gerüst, als Anstreicher bei einem Neuanstrich der Brücke mitgearbeitet hat. Noch früher, Anfang der 50er-Jahre, war der Vater des Gatten, ebenfalls hoch oben auf einem Gerüst, als Arbeiter bei ihrem Wiederaufbau nach dem Krieg beschäftigt. Er hat damals erzählt, dass er den Namen seiner Frau, des Gatten Mutter, an einem der Pfeiler hinterlassen hat. Ob mit Bleistift draufgeschrieben oder mit einem Nagel reingeritzt, ist nicht überliefert. Zu befürchten ist, dass mein Onkel Gottfried ihn überstrichen hat.

Im Notarbüro ist es warm, aber auszuhalten. Meine Schwester und ich sowie die Käuferin mit Begleitung hören dem Notar zu, der den kompletten Vertrag, inklusive aller Aktenzeichenzahlen laut vorlesen muss. Schnell rasselt er dabei auch Abschnitte herunter wie: „… Urkundenrollennummer 82 Schrägstrich 1968 des Notars Peter Müller in Bonn und Änderungsurkunde vom 20.11.1984 des Notars Heinz Kleinert in Köln, Urkundenrollennummer 605 Schrägstrich 1984 und 695 Schrägstrich 2013 …“, während wir mit ernsten Gesichtern und anscheinend aufmerksam zuhören. Das hat durchaus etwas von Loriot und dem Jodeldiplom. „Jetzt hat er so lange Jura studiert und muss hier wie ein Grundschüler lange Zahlenkolonnen laut vorlesen“, denke ich. Na, der Blick auf seinen monatlichen Verdienst wird das wohl ausgleichen.
Ich hatte vorher befürchtet, dass mir der Termin beim Notar schwerfallen würde, habe aber nur kurz ein seltsames Gefühl, als ich am Ende meine Unterschrift unter den Vertrag setze. Danach unterschreibt meine Schwester. Und damit geben wir Papas Haus ab. Es war natürlich auch Mamas Haus, aber Papa hat es eigenhändig gebaut und hing sehr daran. Meine Schwester und ich haben diesen Schritt aber vorher gut überlegt und ich glaube, dass meine Eltern die Entscheidung nachvollziehen können und in Ordnung finden. Sie wollten immer, dass es ihren Töchtern gut geht, und für uns ist der Hausverkauf der beste Weg. Dass es mir jetzt nicht so schlimm nahegeht, liegt aber auch an der Käuferin, die gut zum Haus passt und sich sehr freut, dort einzuziehen. An sie kann ich es gut weitergeben. Nach dem offiziellen Termin, so haben meine Schwester und ich es vorher schon abgesprochen, geben wir ihr schon einen Schlüssel fürs Haus. Die richtige Übergabe mit allen Schlüsseln und unser endgültiges Abgeben ist erst dran, wenn das Geld überwiesen ist, was wegen offizieller Sachen noch einige Wochen dauern kann. Aber von uns aus kann sie schon rein, ausmessen, planen, erste Sachen hinbringen oder auch das Wochenende im Garten verbringen. Es ist doch schon so gut wie ihr Haus und uns gehört es gefühlt nicht mehr ganz.

Am nächsten Morgen fahre ich mit dem Gatten aber doch wieder zum Haus, um die neuen Austriebe der Weinpflanze zu entfernen – soll ja alles weiterhin schön wachsen – , den Garten zu bewässern und nun tatsächlich die letzten Sachen abzuholen: Das Putzzeug, mein Gartenwerkzeug, Papas altes Werkstattradio, das nur noch zwei Sender hat, das ich aber noch nicht wegschmeißen kann, und die große Leiter, mit der ich auf das Flachdach geklettert bin. Der Nachbar kommt kurz vorbei, blickt in die ausgeräumte Garage und lacht: „So leer war die noch nie!“ Da hat er recht. Eine weitere Nachbarin, die ich ebenfalls seit meiner Kinderzeit kenne, kommt zufällig auch gerade vorbei und fragt: „Na, wie sieht’s aus? Habt ihr das Haus verkauft?“, und eine weitere ältere Frau, die ich nicht kenne, stößt dazu und versichert mir, dass der Nachbar ein wirklich guter Nachbar ist. „Das weiß ich“, sage ich etwas verwundert, woraufhin sie sagt: „Ach, ich dachte, dass SIE das Haus gekauft haben.“ „Nein, ich bin die Tochter,“ erkläre ich. „Ach so!“
In der letzten Woche bin ich schon zu zwei Nachbarinnen gegangen, um sie jeweils kurz zu besuchen. In den 70er-Jahren haben vor allem junge Familien mit kleinen Kindern in der gerade neu entstandenen Siedlung gewohnt. Einige von der „Elterngeneration“, inzwischen meist alleinlebend, wohnen noch in den Bungalows, viele Häuser wurden in den letzten Jahren schon an jüngere Leute verkauft, selten haben die eigenen Kinder übernommen. Bei den alten Bewohnern ist eine allgemeine Abschiedsstimmung zu spüren. Immer schneller sterben jetzt die vertrauten Nachbarn weg, und die noch Lebenden reden alle davon, dass sie ja auch nicht mehr so lange dort wohnen werden und das Haus dann ebenfalls verkauft werden wird. Und viele fragen mich, an wen wir denn verkaufen, denn alle möchten, dass es nette Leute sind, damit die ruhige und sehr freundliche Stimmung der Siedlung erhalten bleibt. Ja klar, darauf haben wir selbstverständlich geachtet.
Vor zwei Wochen saß ich in einem Eiscafé und freute mich über die Eiswürfel, die meinen Pistazien-Matcha so schön kühlten. „Was kostet eigentlich eine Eiswürfelmaschine?“, überlegte ich, schätzte 300 bis 400 Euro und guckte im Internet nach. Ja, so was! Einfache Maschinen für den Hausgebrauch sind viel preiswerter. Kurzentschlossen bestellten wir uns ein Modell. Auf die Idee war ich vorher nie gekommen. Und, hach – was für ein Luxus in diesem Sommer! Plopp, plopp, plopp – klirren bei jedem Durchgang neun Eiswürfel in die Maschine, und ich würfle den Auffangkasten voll, trinke eisgekühlte Getränke und Eistee und Eiscafé, verwende irrsinnige Mengen von Eiswürfeln und freue mich jeden Tag darüber.

Der Gatte schlägt vor, dass ich die Hauptdarstellerin in einem neuen Disneyfilm sein könnte. Titel: Die Eiswürfelkönigin. Schnell mache ich einen groben Plakatentwurf – ja, könnte ein Hit werden.

Seit einiger Zeit wartet auf meinem Computer der Bericht über ein Maybebopkonzert von Anfang Mai. Zum Glück habe ich schon kurz nach dem Konzert die gekritzelten Notizen aus meinem Notizbuch entziffert und erstmal abgetippt. Jetzt habe ich endlich den Kopf frei, formuliere Sätze und schreibe den Bericht nach und nach fertig. Bei der Hitze ist es ganz schön, mal drinnen am Computer zu sitzen. Photovoltaik auf dem Dach, Klimaanlage im Wohnzimmer, draußen bis zu 40 Grad, drinnen 25, unendlich viele Eiswürfel – da ist es gut auszuhalten.

Ein neuer OP-Termin steht an. Den inneren Gaumen der Puppe habe ich in der letzten Woche aufgeschnitten und wieder vernäht, aber die Operation ist nicht ganz glücklich verlaufen, denn danach klappte der Kiefer leicht schräg auf und zu. Das könnte ich mit dem Vernähen des Außenstoffs vermutlich ausgleichen, aber ich möchte lieber eine ordentliche Nach-OP ansetzen. Also nochmal ein Schnitt – komplett unblutig und ohne Narkose – und eine neue Naht im Gaumen. In der Laube ist es schwülwarm, aber für eine Stunde Näharbeit mit spannendem Hörspiel ist es gut auszuhalten. Ich trinke sogar heißen Tee dazu. Diesmal klappt mit der Naht alles perfekt und der Kiefer sitzt danach genau richtig. Fäden ziehen fällt aus, denn dann würde ja alles wieder auseinanderfallen. Aber neuen roten Gaumenstoff und etwas Zusatzstoff in den Mundwinkeln werde ich noch einsetzen müssen.

Noch während der letzten Stiche zieht sich der Himmel unerwartet zu und es beginnt in dicken Tropfen zu regnen. Daraus wird schnell ein heftiger Regenguss, der so laut rauscht und aufs Dach trommelt, dass ich beim Hörspiel pausieren muss, weil ich nichts mehr verstehen kann. Aber in der Laube sitze ich sicher und gemütlich. Nach wenigen Minuten hört der Regen so plötzlich auf, wie er gekommen ist. Danach scheint die Sonne wieder, es ist zwei Grad kühler, was immer noch heiß ist, dafür doppelt so schwül. Mit den für Juni ungewöhnlich heißen Tagen und Nächten soll es in der nächsten Woche erstmal vorbei sein. Es bleibt zwar warm, ist aber nicht mehr so extrem.
