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Blog 967 – 08.11.2026 – Grusel, Dr. Pop und Lesen mit Emotionen

1985 las ich im „Stern“ in einer wöchentlichen Folgegeschichte den gekürzten Roman „Friedhof der Kuscheltiere“ von Stephen King. Ich las alle Folgen bis zum Schluss, fand es zunehmend unangenehm und gruselig und las nie wieder ein Buch von Stephen King. Brrr, neee, das war nichts für mich. Beste Voraussetzungen, um jetzt zu einer abendlichen Stephen-King-Lesung zu gehen.

Die findet unter der Leitung eines Stephen-King-Fans statt, der vermutlich alle King-Bücher, die jetzt als Dekoration rund um die Bühne aufgestellt sind, gelesen hat. Oh, das sind ganz schön viele. Ich habe ein bisschen Sorge, dass der Abend bei mir – wie damals beim Kuscheltierfriedhof – zu später immer wieder aufflackernden Unwohlfühl-Gefühlen führen könnte, aber es bleibt lässig. Verschiedene Leute lesen, oft mit verteilten Rollen, und die meisten kenne ich vom örtlichen Theater bei „Szene 93“, was den Horrorfaktor deutlich senkt. Es gibt zwar beklemmende und gruselige Szenen – Stephen King schreibt so, dass ich sofort vor Augen habe, was ich gar nicht sehen möchte – , aber so mitten unter Menschen geht mir das nicht nahe. Da kann ich eher anerkennen, wie gut er formuliert. Nach der Veranstaltung gehe ich alleine durch eine menschenleere Dorfstraße zum geparkten Auto und habe nicht einen Moment lang den Gedanken, ein Hund könnte mich plötzlich knurrend anspringen und mir den Arm abreißen oder eine Hand aus dem Gully nach meinem Fuß greifen. Nicht mal eine heisere Stimme, die mich von der Seite anspricht, erwarte ich. Ich gehe einfach friedlich und gut gelaunt zum Auto. Stephen King werde ich aber weiterhin lieber nicht lesen.


Das Wetter ist gerade immer mal wieder sonnig, das heißt für mich: Wäsche waschen. Seitdem wir Solarpanele auf dem Dach haben, wächst mein Wäscheberg bei Regenwetter sehr an, um dann, wenn die Sonne scheint, zügig weggewaschen zu werden. Das führt dazu, dass ich, wenn ich morgens Sonne sehe, fast zuerst denke: „Habe ich etwas zu waschen?“ Sogar die Kreissäge benutze ich lieber bei Sonne und warte mit dem Sägen möglichst, bis genug Energie vom Dach kommt. Dann kostet mich der Strom nämlich nichts. Da kann Frau Reiche, die aktuelle, eher inkompetente Energieministerin, gegen Photovoltaik arbeiten wie sie will – meine Stromrechnung zeigt deutlich, wie gut das funktioniert.

In dieser Woche gilt: Waschen, waschen, waschen. Einen Tag nach Frankfurt fahren – „Oh, die Sonne scheint. Mist! Und ich kann nicht waschen!“ -, waschen, waschen, waschen. Die Wäsche trocknet auf der Leine und ich bin mit der Bilanz: Sehr viel Wäsche waschen und trocknen für 0 Cent Strom sehr zufrieden. Blöd ist jetzt nur, dass die gewaschene Wäsche ja noch in Schränke geräumt werden muss. Da wäre es schön, wenn es bald neu entwickelte Energien gäbe, die Wäsche falten und einsortieren.


Dr. Pop ist im Bergheimer Medio und erklärt, spielt oder zerpflückt auf äußerst vergnügliche Weise Welthits und musikalische Problemfälle. Bach, Beatles, Sido und die Kastelruther Spatzen – es geht durch alle Sparten. Dazu gibt es viele Funfacts und Hintergrundgeschichten zu hören. Es ist großartig! Ich lache viel und komme mit fröhlichem Herzen und den Ohren voll Musik nach Hause.

Am nächsten Tag entziffere ich schon mal mein Gekritzel aus dem Notizbuch und tippe es lesbar ab. Das ist die Vorarbeit zum Berichtschreiben. Mal sehen, wie ich diesen Abend voller Informationen und Musikschnipseln überhaupt beschreiben kann. Da sitze ich bestimmt etwas länger am Formulieren.


Beim Theaterstück gibt es eine zweite Probe mit Lesen zum Einsteigen in die Charaktere, Betonungen und Emotionen. Diesmal Szenen 8 bis 16. Ich bin vom Ergebnis sehr erfreut. Das passt alles harmonisch zusammen und die Rollen sind gut verteilt. Ich merke jetzt schon, dass alle Spielenden ihre Rollen gut ausbauen und Persönlichkeiten daraus machen werden. Das wird richtig gut werden. Und wahrscheinlich an vielen Stellen sehr lustig – wir lachen jetzt schon oft los. Die Probe dauert gerade mal eine Stunde, weil nur noch ein Teil des Textes gelesen werden muss und alles schon in die richtige Richtung geht, so dass ich nur wenig Anmerkungen machen muss. Zweimal lesen ist Quatsch, darum beende ich danach. Ab der nächsten Woche proben wir auf der Bühne, da wiederhole ich die Szenen gerne, wenn noch Zeit ist. Wobei „auf der Bühne proben“ nicht ganz stimmt, denn gerade ist eine andere Produktion im Theater, die den Bühnenraum braucht, und wir werden irgendwo im Raum ein Viereck freiräumen und das zur Spielfläche erklären müssen. Ist nicht ganz so schön für die Orientierung bei den ersten Proben, geht aber auch.