Grillplatz Teil 5

Der Grill, viele Pflanzen und Restarbeiten

WOCHE 41 – April 2006

Von meiner Idee, den Aufgang mitten durch Bambuswälder zu legen, bin ich abgekommen. Irgendwie erscheint mir das dann alles als zu erdrückend und zu voll. Also nur auf eine Seite Bambus, die andere wird mit niedrigen und mittelhohen Büschen grün gemacht. Die Büsche, die ich einsetze, sind allerdings noch sehr jung und sehr klein, so dass es wohl noch etwas dauert, bis es dort mal mehr blattgrün als erdbraun aussieht. Weiteren Bambus setze ich dagegen an den seitlichen Laubenrand vor den Zaun zum Nachbargarten. Es ist eine andere Bambusart als am Aufgang und sie tut nach dem Umpflanzen erstmal so, als ob sie eingehen würde, also Blätter einrollen, leicht in sich zusammensinken und sichtlich leidend in der Erde stecken. Wenn dieser Bambus könnte, würde er laut stöhnen. Aber das mitleiderheischende Verhalten verliert er erfahrungsgemäß nach einigen Tagen und sieht dann wieder aus wie das blühende Leben. Alles nur Show.

Keine Show macht mein vierter Spaten. Er bricht seinen Stiel durch, ebenso wie seine drei Vorgänger. Dabei will ich nur mal eben einen Busch ausbuddeln. Die heutigen jungen Spaten halten echt nichts mehr aus. Vorne tiefe Wurzeln fest in der Erde, hinten Anette, die mit Hebelwirkungskraft auf dem Stiel herumwippt und oben drüber ein dicker Busch der seinen Platz verlassen und an den Grillplatz umziehen soll – da machen sie ‘knacks’, lassen Anette mit Schwung durch die Gegend kullern und geben auf. Wobei ich immer noch dankbar bin, wenn ich durch die Gegend kuller und nicht nach vorne aufgespießt auf dem spitzen Reststiel festhänge. Ich steh nicht so auf Splatter-Movies im eigenen Garten. Spritzendes Blut, Eingeweide, die über dem grünen Buchsbaum hängen und einen Holzstiel, der bei mir vorne rein und im Rücken raus geht, erspar ich mir gerne, auch wenn es für den Grillplatzbericht recht interessant und mal wirklich dramatisch wäre. Als Ersatz hau ich mir aber beim Steinefestklopfen mal wieder mit dem Hammer auf die Hand und das blutet ein wenig. Ich bin übrigens nicht so doof und hau mir aus unerklärlichen Gründen MITTEN auf die Hand, sondern ich komme beim kraftvollen Zuschlagen einen Hauch zu nah an die haltende Hand und streife sie mit dem dicken Hammer. Das reicht, um dort sauber und restlos die oberen Hautschichten zu entfernen.

Für die schottische Ecke finde ich überraschend eine perfekte Gartenbank. Klein, kompakt und nicht mal teuer. Anstatt weiter am Grillplatz zu werken, schraube ich natürlich erstmal die Bank zusammen und stelle sie auf. Wunderbar! Jetzt muss ich nur noch ein Messingschild anfertigen lassen, das einfach dazu gehört und an die Rückenlehne geschraubt wird. Das Anfertigen lassen wäre nicht das Problem, mir fällt nur überhaupt nicht ein, was in schön geschwungenen Buchstaben drauf stehen könnte. “Scottish Corner”?, “Grillplatz 2006”? oder “Ich bin eine Gartenbank”?? Vielleicht fällt mir noch was ein. An den Rand der Grillterrasse setze ich anstatt des sinnvollen Zementrandes, der alles zusammenhält und vor dem Auseinanderbröckeln bewahrt, einen optisch abwechslungsreichen Randbelag. Der ist nicht sehr trittfest und sollte eher angeschaut als betreten werden. Da es sofort dahinter aber steil den Hang hinab geht, wird wohl später keiner bis an die äußerste Kante gehen müssen. Endlich bringe ich aber auch die Handabdrücke in Beton an einer passenden Stelle unter.

Ich klopfe und hämmere, der Split rieselt an den gepflasterten Flächen in die Fugen, und ich muss ständig neue 25-kg-Säcke Split kaufen und in weitere Fugen füllen. Was da alles reingeht! Und wie schnell so ein Sack leer ist. Unglaublich. Nachdem mein großer, angelieferter 1000-kg-Sack Split leer war, hatte ich gedacht, dass sich ein weiterer Riesensack nicht lohnen würde und ich die letzten etwa 100 Kilo Split besser säckeweise im Baumarkt kaufe. Inzwischen habe ich bestimmt schon 10 Säcke den Hang hinauf geschleppt, damit 250 Kilo verrieselt, und das Ende ist nicht wirklich abzusehen. Aber jetzt würde sich ein Riesensack erst recht nicht mehr lohnen. Oder etwa doch?

Und bald muss ich an den großen Grill ran, denn soweit ich mich erinnere, muss der sechs Wochen vor der ersten Befeuerung fertig verklebt, verputzt und durchgetrocknet sein. Das wird knapp, denn die Einweihungsfeier wird im Juni sein, und der beginnt in etwa acht Wochen. Bisher steht der Grill in relativ handlichen Einzelteilen im Hof herum. Leider habe ich die Aufbauanleitung sehr gut und sorgfältig weggelegt und finde sie gerade nicht. Die würde mir vielleicht auch verraten, ob diese eckigen Winkelteile nach oben oder nach unten kommen, wenn er aufgebaut wird. Sie könnten nämlich ein verspieltes Fußteil sein, aber auch ein Zierkranz unterhalb des Kaminabzuges oder ein dringender Abstandhalter zwischen Feuer und Abzug. Ich hab echt keine Ahnung. Passen tun sie überall. In einem Karton gibt es auch einen Stahl-Einsatz, um später höhertemperaturiges Holzfeuer im Grill machen zu können. Wenn ich die Anleitung nicht finde, muss ich den Einsatz auf gut Glück und mit weiblicher Intuition zusammenschrauben und irgendwie einbauen. Na, das kann spannend werden. Ich fühle mich wie vor den Einzelteilen eines kleinen Lego-Flugzeuges, das ich ohne Anleitung richtig zusammensetzen soll. Das kann klappen, muss aber nicht. Und meistens bleibt was übrig. Dass ich die zerbrochene Mittelplatte des Grills vorher ja auch noch irgendwie reparieren und mit Beton haltbar machen muss, will ich nur am Rande erwähnen. Vor allem war ich mir immer sicher, dass der Grill blau und weiß werden wird, weil das so schön nordisch aussieht. Inzwischen ist mein Grillplatz aber vorwiegend grau-rot-grün geworden und Blau würde gar nicht mehr dazu passen. Und jetzt? Weiß-rot oder grau-grün? Völlig verrückt gestalten oder unauffällig der Umgebung anpassen? Nun ja, ich fange mal am besten mit dem Zusammenbauen an und entscheide dann spontan.

WOCHE 42 – April 2006

Boah, was sind schon die Einzelteile des dicken Gartengrills schwer! Meine Kinder schleppen mir keuchend das Hauptstück der zerbrochenen Mittelplatte nach oben und ich darf die rausgebrochenen Stücke hinterhertragen und ihnen warnend zurufen: “Achtung! Wassertrog im Weg! Spaten auf der Treppe! Dicke Zweige vor euch!” Ich hätte vielleicht doch vorher mal im Garten aufräumen und den Weg frei machen sollen. Oben setze ich das Grill-Mittelplatten-Puzzel zusammen. Zwei große Stücke sind komplett rausgebrochen, es gibt einige Bruchstellen, die aber noch an der Stahlarmierung zusammenhängen, und für mehrere kleine Stücke muss ich die passende Lücke finden.

Mit feuerfestem Mörtel klebe ich sorgfältig alles zusammen, putze damit gleich noch die Oberfläche glatt und hoffe, dass das dann auch hält. Immerhin müssen gerade die reparierten Seiten später frei aus der Grillkonstruktion ragen und auch vertragen, dass jemand einen Teller mit Würstchen dort abstellt.

Mörtelverputzt sieht das Teil gleich viel individueller aus, denn eigentlich kann ich die typischen Baumarkt-Gartengrills gar nicht leiden. Darum hatte ich auch lange überlegt, ob ich mir überhaupt einen holen soll, aber am Ende fand ich, dass ein Grillplatz dann doch unbedingt einen richtigen Grill braucht. Und selber bauen habe ich mir nicht zugetraut. Also das Bauen schon, aber ich habe bezweifelt, ob er danach auch grillen kann. Trotz der fast fertigen schottischen Ecke und anderer malerischer Stellen, sieht es ringsherum noch etwas chaotisch aus. Aber ich bin eine zähe Arbeiterin und lasse mich nicht einschüchtern. Meine Taktik in solchen Fällen: Einfach irgendwo anfangen. Ich verbaue die beiden letzten Hohlbausteine, weil sie so blöd rumstehen und dann lieber irgendwo sinnvoll Erde abstützen können, und beginne, die Randlücken im Bodenbelag zu schließen.

Und dann passiert es. Plötzlich und unerwartet. Ich lege noch eine Reihe Klinker neben den Grillaufstellplatz, schließe die Lücke zwischen Platz und Betonstufen mit kleinen Basaltsteinen und entscheide rasch, dass ich die andere Randlücke im Klinkerbelag nicht später mit mühsam zurechtgeschnittenen Klinkern, sondern jetzt sofort ebenfalls mit kleinen Basaltsteinen fülle. Ich passe ein, klopfe fest – und auf einmal bin ich fertig mit der Pflasterei! Alle Lücken sind geschlossen, und ich stehe etwas verwirrt mit dem dicken Hammer in der Hand und freue mich nicht mal richtig. Ist ja fast schade. Zum ersten Mal bekomme ich eine Ahnung, dass der Grillplatz bald fertig gebaut sein wird. Damit das nicht so bleibt mit dem Fast-Fertig-Gefühl, greift mein Grill ein. Die sorgfältig zusammengepuzzelte, vermörtelte und durchgetrocknete Mittelplatte zerbröckelt sofort wieder, als ich sie nur leicht anhebe. Und nun? Kurzentschlossen greife ich zum dicken Profi-Winkelschleifer und säge beide Ränder mitsamt der inneren Armierung ab.

Hört sich jetzt einfach an, ist aber anstrengend, weil der Schwingschleifer stärker als ich ist und mir immer seitlich abhauen will. Natürlich in Richtung Bauch oder Bein und natürlich laut kreischend und seine blitzende, scharfkantige Diamantscheibe bedrohlich drehend. Ich habe ziemlichen Respekt vor ihm. Außerdem kann er 6500 Mal in der Minute umdrehen und da komm ich nicht mit. Zum Glück kann ich alle Angriffe auf mich verhindern und zerteile meinerseits die Grillplatte. Die kann noch weniger Umdrehungen als ich.

Nach dem Absägen rufe ich sicherheitshalber im Baumarkt an, ob ich die Mittelplatte eventuell auch nachbestellen könnte. Der Mann am anderen Ende redet sehr deutlich und langsam, wahrscheinlich, weil er in der Baustoffabteilung arbeitet und eine weibliche Kundin am Apparat hat. “Dann gucken Sie bitte mal in Ihrer Aufbauanleitung nach, welche Nummer dieses Teil hat.” “Äh, ich habe die Aufbauanleitung sehr gut weggelegt und finde sie nicht mehr.” “Dann haben Sie aber doch sicher noch die Rechnung.” “Äh, nein. Auch weggelegt.” “Als Sie den Grill zusammengebaut haben…” “Der ist noch nicht zusammengebaut.” “Aber Sie haben ihn im letzten Sommer gekauft?” “Äh, ja. Aber aufbauen will ich ihn erst jetzt.” Ich kann fast hören, wie er die Augen verdreht. Leicht genervt sagt er dann: “Dann kommen Sie bitte mal hier im Baumarkt vorbei, dann schlagen wir das im Katalog nach.” “Gut, vielen Dank!” Ich lege auf und freue mich: Die Mittelplatte scheint auch einzeln erhältlich zu sein. Könnte zusammen mit den Lieferkosten aber recht teuer werden. Vor allem müssten wir das superschwere Teil dann schon wieder von der Straße bis auf den Grillplatz hoch tragen! Das möchte ich gerne vermeiden. ‘Ersatz-Mittelteil-bestellen’ wird zum Plan B, ich stürze mich auf Plan A: ‘Einen-Grill-fertig-bauen-aus-dem-was-ich-habe”. Ich verpflichte ein Kind zum Schleppen und gemeinsam tragen wir keuchend die schweren Einzelteile des Unterteils vom Hof auf den Grillplatz. Was haben die in den Beton eingegossen? Blei? Es muss was extrem Schweres sein, denn Zement alleine kann nicht so viel wiegen! Oben setzen wir alles probeweise aufeinander und siehe da, die brutal gekürzte Platte wird zwischen den anderen Teilen fest eingeklemmt und hält.

Ein bisschen krumm sieht sie aus, weil die lockeren Teile leicht nach unten durchhängen, aber die Ecken mit dem Winkelschleifer später noch etwas rund gemacht, dann alles dick mit Beton verputzt und niemand wird merken, dass das Ding eigentlich kaputt ist. Und der Baumarktmensch kriegt später ein Foto und sucht sich im Katalog blöd, weil kein Grill bei ihm so aussieht wie der in meinem Garten. “Aber ich hab den bei Ihnen gekauft, hier ist die Rechnung!” sage ich dann lächelnd und lasse sie vor seinem Gesicht hin und her flattern. Das setzt natürlich voraus, dass ich sie bis dahin gefunden habe. Wenn ich jetzt die Lücken und Risse schnell mit Beton flicke und niemandem sage, dass die Mittelplatte kaputt war und eigentlich anders aussehen sollte, wird kein Besucher ahnen, was für Probleme es gab und keiner wird blöde Fragen nach den fehlenden seitlichen Ablageflächen stellen. Ist doch prima. Übrigens habe ich spontan die Farbe ‘terracotta’ zum späteren Verputzen des Grills ausgewählt. Ich habe noch nie einen Gartengrill in terracotta gesehen und weiß auch nicht, ob mir das gefällt, aber ich dachte, versuch’s doch einfach mal.

WOCHE 43 – April 2006

Es ist soweit: Grill-Bautag. Ich rühre einen Eimer mit feuerfestem Mörtel an, setze die Grillteile zusammen (gut, dass ich so große und kräftige Kinder habe, die mit mir mal eben 50-kg-Teile anheben können) und schnitze der grob abgesägten Mittelplatte mit dem laut kreischenden Winkelschleifer formschöne Rundungen.

Die seltsamen Winkelteile baue ich eigenmächtig andersherum ein, als sie beim Baumarkt am Mustergrill zu sehen sind. Den habe ich mir nämlich extra nochmal angesehen, um auch ohne Anleitung aus den Einzelteilen einen perfekten Grill bauen zu können. Dort war die breite Kante der Winkelteile nach oben ausgerichtet, was ich spontan total blöd fand. Optisch ist es doch viel schöner, wenn es sanfte Abstufungen sind. Nun ja, die Herren in der Baustoffabteilung mögen etwas von Grills und Aufbauanleitungen verstehen, ich habe es mehr mit der Optik. Nach dem Vermörteln aller Ritzen sieht alles schon wie ein echter Grill aus. Vor allem sind die Reparaturen an der Mittelplatte unter der dicken Mörtelschicht nicht mehr zu erkennen.

Links: Der Mustergrill am Baumarkt.  Rechts: So ist er bei mir geworden.

Schmal sieht der Grill viel eleganter aus als mit ausladenden Seitenteilen, finde ich. Auch wenn man jetzt nicht mehr weiß, wo man den Würstchenteller abstellen soll. Außerdem kommt man an einem schmalen Grill besser vorbei, wenn man mal dahinter was machen muss. Mir fällt zwar so spontan nicht ein, was man dahinter machen sollte, aber es geht auf jeden Fall besser. Nach dem Trocknen des Mörtels mische ich den Putz mit Wasser und den Terracotta-Pigmenten. Anstatt nach Terracotta sieht die Masse nach dem Vermischen orangefarben aus. Wie pürierte Karotten mit einem Schuss Sahne. Nun ja, Kann sich im trockenen Zustand ja noch ändern. „Und? Welche Farbe hat dein Grill nun bekommen?“ „Möhrenfarben.“

Mit unbehandschuhten Händen greife ich in den weichen Karotten-Putz und verstreiche ihn auf dem Betongrill. Mit meinen Fingern kann ich einfach am besten arbeiten. Jeder Hautarzt würde beim Anblick meiner dick mit Verputzmasse bedeckten Hände seine Hände über dem Kopf zusammenschlagen, weil es überhaupt nicht gut ist, die vielen aggressiven chemischen Stoffe an die Haut zu lassen. Ich selber schlage die Hände nicht über dem Kopf zusammen, denn dann würde sich ja die ganze Pampe lösen und mit Schwung in der Gegend und auf meinen Haaren verteilen. Ich bin ja nicht blöde. Aber ich hoffe sehr, dass die Farbpigmente brav im Putz bleiben und sich nicht dauerhaft in meiner Haut festsetzen wollen. Nach einer Stunde ist der Grill vorne und an den Seiten verputzt (für hinten hat die Menge nicht mehr gereicht, das folgt später), und meine Hände sehen so schrumpelig aus wie nach einem zweistündigen Tellerspülen. In der Handfläche habe ich eine kleine offene Stelle. Der Hautarzt würde sagen: „Siehste!“ Die Haut ist dort aber nicht von der aggressiven Chemie weggeätzt, sondern ganz traditionell abgeraspelt worden. Wenn man eine Stunde lang mit der bloßen Hand über rauen Beton streicht, um Putz schön zu glätten, bleiben Spuren. Das angerührte Orange verändert sich während des Trocknungsprozesses, sieht zwischendurch ganz gut aus, und als es trocken ist denke ich: “Terracotta?? Das soll terracotta sein?” Für mich ist das Apricot. Mit kooh am Ende, ohne t. Pürierte Aprikosen mit einem Schuss Sahne. “Mein Grill ist apricoohfarben” kann ich jetzt sagen und dabei vornehm gucken. Bei ‘Schöner dekorieren’ würden sie beim Grillen jetzt Servietten (apricot) und Kerzen (apricot) auf der Tischdecke (natürlich apricot) verteilen und mit kleinen Glasperlen (apricot) und duftenden Rosen (apricot) optische Highlights setzen. Wenn man da mal keinen Obstschock bekommt!

Ich bin nicht sicher, ob mir die Farbe gefällt. Eigentlich sieht sie schön aus und der Grill gefällt mir besser als im traditionellen Weiß, aber es ist vielleicht doch ein bisschen hell im Farbton. Wäre eher etwas für Wände, dieses Aprikosenterracotta. Mal sehen, ob ich mich in den nächsten Tagen dran gewöhne oder dann doch einen Anlass habe, den Grill extrem anders zu gestalten. Platzen kleine Glassteinchen, die man in den Putz drückt, eigentlich ab, wenn der Grill heiß wird? Sollte mir der helle Apricot-Farbton nächste Woche nämlich noch auf den Senkel gehen, werde ich vermutlich mit Farbe und ein paar Glassteinen experimentieren. Aber ich habe auch Angst, dass alles zusammen, der Steinmix im Bodenbelag, die vielen Pflanzen, die Laube und dann noch ein extrem bunter Grill sehr wirrig und viel zu unruhig wirken. Es darf schon ungewöhnlich aussehen, sollte aber harmonisch bleiben. Schließlich will ich da oben nicht nur hin und wieder grillen, sondern oft arbeiten und entspannen. Wenn mir dann die Augen schon allein vom Blick auf den Grill weh tun, war es etwas zu viel ausgetobte Gestaltungskreativität.

WOCHE 44 – April 2006

War ja klar. Wenn ich sage, dass mir der apricotfarbene Grill eigentlich zu hell ist, dann weiß ich schon, dass ich da nochmal ran gehe. Auch wenn ich mir gegenüber so tue, als würde ich es mir noch überlegen. In Wahrheit habe ich die Entscheidung innerlich längst getroffen. Also ab zum Baumarkt, nochmal Putz und Pigmente kaufen und raus zum Grillplatz. Diesmal hole ich zwei Packungen Pigmente, um die Farbe kräftiger zu machen, aber das reicht nicht. Obwohl ich vorher im Internet gelesen habe, dass in Mineralputz nur Mineral-Farbpigmente und keine Dispersionsfarben gerührt werden sollen, kippe ich Dispersionsfarben in schwarz, rot und gelb dazu. Wenn man kräftig rührt, klappt das schon, ermutige ich mich und rühre bis die Schlieren weg sind und sich alles homogen verbunden hat. Der Farbton soll insgesamt dunkler und erdiger werden, nicht nur aprikosiger, und dunklere Farbpigmente waren im Baumarkt nicht zu bekommen. Wird ja nun nicht gerade so sein, dass Grills, die mit in Mineralputz eingerührten Dispersionsfarben verputzt werden, zwangsläufig nach drei Würstchen explodieren. Hoffe ich.

Und noch eine Neuerung gibt es: Handschuhe! Ich habe mich mal im Spül-, Putz- und Haushaltshandschuh-Bereich informiert und bei ‘dünn und sehr robust’ zugegriffen. Als Hausfrau müsste ich mich da eigentlich auskennen, aber ich putze wohl zu wenig und wenn, dann immer völlig ungeschützt. Farblich finde ich die Handschuhe jedenfalls wirklich gut. Und erstaunlicherweise halten sie sogar das Reiben auf dem rauen Putz problemlos durch. Ob ich jetzt zu Hause mit diesen knalligen Handschuhen lieber und mehr putze, ist allerdings ganz fraglich.

Ich verteile den Putz hinten, seitlich, oben und in allen Ecken, drücke ein paar gelbe und rote Glassteinchen rein, wobei ich bezweifel, dass die lange dort halten, weil der Putz recht dünn aufgetragen ist, und sehe mir dann das Ergebnis an. Schokoladenbraun. Lecker, aber falsch. Inzwischen weiß ich jedoch, dass die Farbe im Trockungsprozess heller wird und warte ab. Etwas später ist dann klar: Terracotta ist das wieder nicht, eher angeschmolzenes Cappuccino-Eis, aber jetzt gefällt es mir ziemlich gut. Sieht ein bisschen so aus, als wäre der Apricot-Grill 10 Jahre lang Wind und Wetter ausgesetzt gewesen, dabei nachgedunkelt und leicht mit Moos vergraut. Für mich und den abenteuerlichen Grillplatz also genau richtig. Außerdem passt er im Farbton jetzt zur Holz-Gartenbank in der schottischen Ecke. Auf den ersten Blick könnte man den Grill farblich und mit den nach zweifachem Verputzen rundlichen Formen für handgetöpfert halten. “Den habe ich mir mal im Hausfrauen-Vormittags-Kurs der Volkshochschule getöpfert”, ist ein Spruch, den ich mir unbedingt merken sollte. Vielleicht glaubt’s einer. “Und die Glasperlen symbolisieren die Schweiß- und Blutstropfen, die ich beim Bau des Grillplatzes vergossen habe”, wäre der zweite, der mir fast noch besser gefällt, weil er so betroffen macht und schlagartig eine unbeschwerte Stimmung beseitigen kann. Richtig bunt wird die ursprünglich aufwändiger geplante Dekoration nicht, auch wenn ich noch viel mehr Glasperlen habe, aber das erscheint mir dann doch zu viel. Außerdem sollte ich warten, wie lange die eingeputzten Glasperlen bei angefachtem Grillfeuer halten und ob erhitzte Dispersionsfarbpartikel im Putz nicht doch gleich nach den Glassteinen explodieren.

Nachdem mein Gatte mehrfach gedrängt hatte: “Du musst den Grill auch INNEN verputzen!” habe ich das gemacht, auch wenn ich mich fragte, warum und ob der Putz so nah am Feuer wirklich halten wird. Als ich fertig und der Putz fest war, erkannte ich, dass ich die Warum-Frage nicht nur mir, sondern auch ihm vorher hätte stellen sollen. Mein Gatte hatte nämlich nicht an den bunten Putz, sondern an feuerfesten Mörtel gedacht, der den Innenbereich vor der Hitze schützen sollte. Na, prima. Wenn ich jetzt im Grill-Innenbereich auf den bunten Putz (mit Dispersions-Farbanteilen!) eine Lage feuerfesten Mörtel gebe, hat das überhaupt Aussichten auf Wirksam- und Haltbarkeit? Eine kurze Unterhaltung hätte alles im Vorfeld geklärt.
Ich: “Du meinst wirklich, ich soll den Innenbereich farbig verputzen, Liebling?”
Gatte: “Nein, Herzilein, nicht mit farbigem Putz. Ich meine feuerfesten Mörtel, damit der Bereich vor der Hitze geschützt ist.”
Ich: “Ach, das klingt logisch. Das mache ich. Wenn ich dich nicht hätte, mein Hase.”
Gatte: “Und du denkst daran, Handschuhe anzuziehen und auf keinen Fall Dispersionsfarben einzurühren, Süße?”
Ich: ”Ups, fast vergessen.”
Gatte: “Du Dummerchen. Nun lauf und arbeite schön. Und pass auf, dass du nicht von der Leiter kippst!”
Ich: “Du denkst an alles, Liebelein! Bis später!”
Gatte: (ruft hinterher) “Die neue Schutzbrille steht dir übrigens fabelhaft!”
(fiktiver Dialog)

Ich sehe es schon vor mir, wie beim ersten Grillen zuerst der Innenputz platzt und auf die Würstchen bröckelt, dann die Dispersionsfarbe im Mineralputz explodiert und gleichzeitig die in den Putz eingelassenen Glassteinchen glühend durch die Gegend geschossen werden. Da kann ich ja gleich noch ein paar Silvesterraketen auf den Rost legen, damit es auch bunt wird! Die Leute aus den umliegenden Dörfern hören dann das Gekrache, sehen den flammend erleuchteten Horizont und die Farbenspiele der Feuerwerke, gehen in Deckung und rufen: “Anette grillt!” Kaum ist der Putz angetrocknet, fängt es dauerhaft an zu regnen, und ich verhülle den Grill sicherheitshalber, damit er die Nässe unbeschadet übersteht. Macht sich verhüllt eigentlich auch ganz gut und gibt dem Grillplatz ein geheimnisvolles Flair, weil man unter der Hülle eine große Skulptur erwartet. Na, welche Figur hat sie sich da wohl aus Ytong gehauen? Ist ja fast enttäuschend, wenn dann nur ein Grill enthüllt wird!

Dass im Verlauf des Frühlings und meiner Einkaufszüge durch Gartenmärkte aus der ursprünglichen Baustelle jetzt ein immer grünerer Platz wird, ist toll. Ich staune, weil sich der Anblick fast täglich verändert. Leider beginnt auch das Unkraut fröhlich zu sprießen und ich muss zwischendurch schon harken und auszupfen. Das ist irgendwie gemein. Der Platz ist doch noch gar nicht fertig! Ich bin mental noch auf Design und Aufbau eingestellt, nicht auf Wartung und Instandhaltung. Aber so verbringe ich manche regenfreie Stunde am Grillplatz, buddel, gieße, harke und staune wie schnell Pflanzen wachsen können, besonders die doofen Brennnesseln, die immer näher an meine kultivierten Flächen kommen.

Zwischendurch setze ich mich auf die Bank, strecke die gummibestiefelten Füße aus, überlege, was ich noch alles machen muss bis zur Einweihung, und gucke zu wie die Wolken ziehen. Übrigens habe ich im Gartenmarkt eine Stockrose gekauft, die mal schwarze Blüten haben wird. Schwarz! Ich bin sehr skeptisch, ob mir das gefällt, oder ob meine schottische Ecke, in die ich sie gepflanzt habe, danach wie ein schottischer Friedhof aussieht, aber ich war neugierig und konnte nicht widerstehen. Wenn meine Besucher demnächst also ergriffen ihren Hut abnehmen und traurig auf die aus Schottland mitgebrachten Steine gucken, ist der Eindruck zu morbide. Aber wen lad ich schon ein, der einen Hut trägt? Ich glaube, ich kenne gar keinen mit Hut.

WOCHE 45 – Mai 2006

Mein Grillplatz wird immer fertiger, und meine Augen schweifen während der Arbeit unauffällig umher, auf der Suche nach weiteren Betätigungsfeldern. Wobei unauffällig relativ ist, denn ICH merke sehr wohl, dass ich umher gucke. Vor dem Haus liegen noch etwa 200 kg Kies, an den Rändern des Grillplatzes sind die übrig gebliebenen Platten und Klinker gestapelt und vor allem: Ich bin auf den Geschmack gekommen. Ich will noch mehr pflastern. Mit Mühe halte ich mich zurück, noch vor der Einweihungsfeier an anderen Gartenstellen Erde um mich zu werfen und Baustellen zu eröffnen, an denen ich Wege und Sitzplätze bauen könnte. Da mein Garten komplett am schrägen Hang liegt, habe ich früher schon einige Begradigungen durchgeführt, allerdings könnte ich diese Arbeiten noch gewaltig erweitern und verbessern. Die Frage ist jetzt nur: Soll ich nochmal Rasen an den kahlen Stellen nachsäen, oder buddel ich das sowieso alles in den nächsten Monaten um und pflaster es zu?

Wenn ich bedenke, dass ich den Grillplatz ursprünglich geschenkt bekam, um es mal ganz bequem zu haben und entspannen zu können, ist da etwas falsch gelaufen. Eigentlich war mir ja ein Gartenbauer geschenkt worden, der mir einen Gartengrill aufstellen sollte, während ich ihm zusehen und dann nur noch die Würstchenpackung aufmachen sollte. Nach dem Motto: Du arbeitest immer so viel, jetzt entspann mal! Stattdessen habe ich das gut überlegte und großzügige Geschenk ja lieber selber im Baumarkt umgesetzt und diese Riesenaktion gestartet. Aber ich muss sagen, dass ich das keinen Augenblick lang bereut habe. So gut gelaunt wie ich immer von der Baustelle zurückkomme, hätte mir das kein noch so netter Gartenbauer bieten können. Und wenn ich nicht gerade mit dem mörderischen Winkelschleifer arbeite, bin ich auch extrem entspannt. Außerdem bin ich überzeugt, dass gerade die Nähe zur Natur, das Buddeln in der Erde und das alleine vor mich hin arbeiten sehr viel zu meiner Erholung nach dem Burn Out getan hat. Das hilft mir, die für mich wesentlichen Sachen zu erkennen und die überflüssigen Sachen einzuschränken. Eine großartige Sache also. Inzwischen fühlen sich auch die am Grillplatz eingesetzten Pflanzen wohl und lassen alles viel fertiger und vor allem netter aussehen. Darum habe ich auch sofort ein bisschen aufgeräumt und einen Tisch und die Gartenstühle auf die Terrasse geschleppt. Das sieht doch schon richtig nach gemütlichem Rumhängen aus. Schade, dass ich noch keine richtige Zeit dafür habe, aber manchmal setze ich mich zumindest eine entspannte Teepause lang hin, tue so, als wäre alles fertig und gucke zufrieden in der Gegend herum. Ich kann ja gut selektiv wahrnehmen und blicke blitzschnell an den unfertigen Stellen vorbei, um die fertigen zu genießen.

Dass mein farbiger Grillverputz bei feuchtem Wetter Ansätze von helleren Kalkausblühungen zeigt, übersehe ich konsequent. Allerdings schwirrt mir der Gedanke durch den Kopf, dass Dispersionsfarben bei Hitze vielleicht nicht explodieren, dafür aber bei Feuchtigkeit ihre Farbe verändern. Wie ein Chamäleon, immer der Umgebung angepasst. Ach was, der Grill soll erstmal durchtrocknen, da gehe ich vorerst nicht mehr ran. Außerdem muss ich demnächst sowieso erstmal die immer noch wackelnde Treppenstufe vor der Terrasse reparieren.

Etwas Nettes passiert: An einem Abend gehe ich kurz zur Grillecke hoch, gieße ein wenig und lasse mich in der beginnenden Dämmerung für eine Minute auf der Bank in der schottischen Ecke nieder. Ich sitze ganz still, fühle die warme Luft, genieße die Ruhe und gucke entspannt vor mich hin. Plötzlich verziehen sich meine Mundwinkel seitwärts zu einem ununterdrückbaren, sehr breiten Grinsen, während der Rest des Körpers unverändert regungslos sitzen bleibt. Das sieht vermutlich total bescheuert aus, wie ich bewegungslos sitzend, blöde in die Gegend grinse, aber ich kann nicht anders. Es ist reine Freude. Direkt vor mir sehe ich die kleine Eiche, die ich aus den schottischen Highlands mitgebracht und in meiner schottischen Ecke eingepflanzt habe. Sie hat dicke, grüne Knospen. Zwei Tage vorher hatte sie noch wie ein mageres, trockenes Ästchen völlig leblos aus dem Boden geragt und ich befürchtete schon, dass sie den langen Winter nicht überlebt hat. Dass kleine Knospen an einem dürren Ästchen mich so zum Strahlen bringen können!

WOCHE 46 – Mai 2006

Ich bin fast die ganze Woche mit den Wise Guys auf Tour und kann darum kaum etwas am Grillplatz tun. Zum Glück ist es Frühling und da arbeitet die Natur. Bei meiner Rückkehr staune ich über die Veränderungen, die sich in den fünf Tagen meiner Abwesenheit getan haben. Die Bäume am Rand des Grillplatzes sind plötzlich zu einem dichten grünen Wald geworden und verhindern weitgehend den Blick in die Nachbargärten. Sie verhindern aber auch weitgehend den Blick aus den Nachbargärten zu mir, der seltsamen Frau, die manchmal mit dem Hammer auf den Boden herumhaut und mit lautem Getöse Grillplatten zersägt. Sind die Nachbarn jetzt traurig oder eher erleichtert?

Auch das Unkraut ist gewaltig in die Höhe geschossen, und die kleine schottische Eiche hat plötzlich viele kleine richtige Eichenblätter, was sie wie einen richtigen Baum aussehen lässt und mir ein liebevolles Grinsen ins Gesicht zwingt.

Vom Bodensee habe ich mir einige blühende Gartenpflanzen und drei Steine mitgebracht. Die einen vom Marktstand, die anderen vom Bodenseeufer. Ich verrate jetzt nicht, was von wo, denn eine gewisse Kombinationsfähigkeit setze ich für die Leser des Berichtes einfach voraus. Ist ansonsten aber auch egal. Und dann erfülle ich mir einen Traum. Also fast. Eigentlich hatte ich mal damit geliebäugelt den kompletten oberen Bereich, auf dem sich jetzt der Grillplatz befindet, zu einem tiefen Loch auszubuddeln und einen Naturteich mit Schwimmbereich anzulegen. So mit Schilf, Fröschen und Libellen, und in der Mitte Anette in einem alten grüngestrichenen Kahn dümpelnd und in einem Buch lesend. Eine schöne Vorstellung, aber wohin mit der ausgebuddelten Erde, wie den Teich bei meinem kiesigen, extrem durchlässigen Boden wirklich dicht bekommen und vor allem: Wer füllt ständig das verdunstende Wasser nach? Da liege ich ja nie im Kahn, sondern schleppe immer nur Eimer voll Wasser nach oben, um den Wasserstand zu halten. Das ist auf Dauer schlimmer als Kiesschleppen. Als Ersatz fülle ich mir zwei Teiche in die wasserdichten Zinkeimer, die den Eingang zur Terrasse markieren. Hat den Vorteil, dass ich nicht tonnenweise Erde verschieben muss und auch das Nachfüllen relativ schnell geht. Dafür muss ich natürlich auf den grüngestrichenen Kahn verzichten, in dem ich dümpeln kann.

Einige heiße Tage bewirken, dass meine Regentonne schnell leer geschöpft und ihr bis dahin gesammelter Inhalt in der Erde versickert ist. Ich starre auf die knochentrockene Erde und warte mit dumpfen Vorahnungen auf den Hochsommer. Ich habe keinen Wasseranschluss im Garten und muss, wenn die Wassertonne unter der Regenrinne leer ist, alles aus einem Regenwasserbecken im unteren Gartenteil schöpfen und mit Gießkannen verteilen. Aus gießtechnischen Gründen hätte ich vielleicht doch das gesamte Areal pflastern sollen. Wäre dann nur nicht so gemütlich geworden.

Ehe der Grillplatz jetzt aber schon zu fertig wirkt, reicht ein Blick zur Laube, die immer noch als Lagerraum genutzt wird, halb mit einer Plane abgehängt ist und dringend leer geräumt werden muss. Da soll es ja noch hölzerne Sitzflächen auf den Betonteilen geben. Und der feine Split muss noch auf der Terrasse eingekehrt und das Unkraut zwischen den Pflanzen entfernt werden. Eigentlich wollte ich auch noch die Holzstühle streichen. Und der restliche Garten muss auch gründlich durchforstet werden. Ich glaube nicht, dass es mir in den nächsten Tagen langweilig werden wird.

WOCHE 47 – Mai 2006

Perfektes Timing. Die Sonne scheint, das Wetter ist toll – und ich verbringe die Tage komplett vor dem Computer, um Video-Clips für die Wise Guys zu schneiden. Das ist ziemlich blöde, aber ich überlege messerscharf, dass ein unfertiger Grillplatz in meinem Garten nicht halb so negativ auffällt, wie ein nur halbfertiger Videoclip auf der Leinwand im Tanzbrunnen. Außerdem habe ich vom Bodensee nicht nur Blumen und Steine mitgebracht, sondern auch das Videomaterial für den neuen „Radio“-Clip, den ich natürlich mit viel Freude schneide und gestalte. Kaum bin ich fertig am Computer, schlägt das Wetter um. Es regnet und stürmt, und ich schaffe es in einer Regenpause gerade mal Äpfel wachsen zu lassen. (Geht ganz einfach: Mit Bindfaden 12 Plastikäpfel an die Äste des Pflaumenbaumes binden.) Doch dann kommt meine Chance: Eine Regenpause mit Sonnenschein und nur kleinen Sturmböen. Ich baue die Kreissäge auf, schleppe Bretter an den Grillplatz und werkel an den Abdeckungen für die Betonteile. Mit Holz oben drauf werden sie schöner aussehen und gleichzeitig zu wunderbaren Sitzgelegenheiten. Der Wind braust um meine Ohren, und meine Sorge, dass die anfallende Sägespäne die Ritzen zwischen den frisch verlegten Steinen verstopft, erübrigt sich, weil die Späne vom Wind sofort erfasst und an mir vorbei in unendliche Fernen gewirbelt werden. Ist schon ein tolles Gefühl bei so starkem Wind an der Kreissäge zu arbeiten, während Blätter und kleine Ästchen vorbeifliegen. Volle Naturgewalten, kreischende Sägegewalten und dazwischen ich.

Die Bretter passen ziemlich schnell und problemlos. Das hatte ich mir komplizierter vorgestellt. Nicht von der Idee her, aber ich hatte Pannen in der Ausführung erwartet. Na, umso besser. Ich nutze die günstige Wetterlage und streiche sofort mit dunkler Palisander-Lasur. Normalerweise stehe ich auf helles Holz wie Kiefer und Buche, aber am Grillplatz muss es dunkel sein. Keine Ahnung warum, aber ich höre da auf meinen spontanen Impuls und habe im Baumarkt nach der Farbe gegriffen, die mir plötzlich als einzig richtige erschien. Palisander. Noch nie vorher bin ich auf die Idee gekommen etwas palisanderfarben zu streichen. Zum Glück war mein spontaner Gedanke im Baumarkt nicht Pink. Aber wahrscheinlich hätte ich mich dann doch renitent gezeigt und mal nicht auf mich gehört.

Wenn man bei heftigem Wind streicht, trocknet die Farbe sehr schnell und viele kleine Blütenblätter, Tannennadeln und Kleinteilchen werden vorher noch mit Schwung in die klebrige Lasur geweht. Ich kann gar nicht so schnell raussammeln, wie angeflogen kommt. Außerdem haart der Pinsel. Also mit rechts streichen, mit links Blätter, Tannennadeln und Pinselhaare rausfischen und hin und wieder die stürmisch wehenden Haarsträhnen aus dem Gesicht streichen. Arbeiten wie die Profis. Aber ich lasse mich nicht ärgern und freue mich, dass immerhin das Wetter trocken ist. Ich habe alles gestrichen und bin kaum zurück im Haus, da beginnt überraschend ein Platzregen. Viele Liter Wasser in wenigen Minuten und alle auf meine frisch gestrichenen Bretter, die auf der Terrasse zum Trocknen liegen. Na toll. Ich laufe durch den Platzregen, um die Bretter anzusehen. Zuerst sieht es aus, als ob sie und die Lasur das gut überstehen, aber nach einigen Minuten löst sich die Farbe doch an einigen Stellen. Als alles wieder trocken und die ausgewaschene Farbe gut abgeschwemmt ist, sehen die frisch gestrichenen Bretter aus, als ob sie das letzte Mal vor zwanzig Jahren behandelt wurden. Da werde ich wohl nochmal ran müssen.

Im Gegensatz dazu sehen die Steine vom Bodensee erst richtig gut aus, wenn sie nass sind, weil nur dann die kontrastreiche Färbung zu sehen ist. Das würde von der Optik her natürlich für Grillpartys bei strömendem Regen sprechen, obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob dann die Laune steigt, nur weil die Steine im Regen so schön aussehen. In der nächsten Woche streiche ich die Bretter nochmal und wahrscheinlich sofort auch meinen großen Tisch. Der sieht kiefernfarben eigentlich klasse aus, aber ich denke gerade spontan an Palisander. Und ich folge ja gerne plötzlichen Impulsen.

WOCHE 48 – Mai 2006

Seit Monaten weiß ich, wie ich den untersten Treppenabsatz gestalten werde, da, wo mein schräger Aufgang beginnt. Die letzte Stufe davor ist aus Beton gegossen und das Ende einer längeren Treppe, die noch aus den 50er-Jahren stammt. Haltbare Qualität, leider für meinen neuen Zweck zu kurz. Die zehn fehlenden Zentimeter möchte ich mit kleinen Pflastersteinen sauber füllen. Eine frühe Probebohrung mit einer kleinen Schaufel hatte ergeben, dass sich unmittelbar hinter der gegossenen Betonstufe nur Erde befindet. Die Überraschung kommt, als ich die Erde weg buddel und da, wo ich nicht probegebohrt habe, schon nach zwei Zentimetern festen Beton finde. Pflastersteine passen da nicht drüber. Eigentlich passt da nichts drüber. Na super. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich meinen schrägen Aufgang 20 cm nach rechts versetzt angelegt und jetzt kein Problem. Ich habe auch keine Lust, mühsam mit schwerem Gerät die Betonreste zu entfernen. Aber Probleme und Pannen kommen vor und müssen nur eine Lösung finden.

Ich schnappe mir eine mitteldicke Steinplatte, die ich nur eine Stunde vorher beim Aufräumen unter dem alten Kirschbaum gefunden habe und fülle damit einen Teil der Lücke aus. Ist dort zwar jetzt immer noch etwas höher als die letzte Stufe, aber irgendwie die beste Möglichkeit. Ein paar Ziegelsteine, die malerisch der Rundung der Natursteinplatte folgen, gibt es hochkant als Begrenzung. Und damit später keiner die etwas instabile Kante als Treppenstufe benutzt und damit alles zum Einsturz bringt, setze ich einen Kirschlorbeer, der eigentlich als Sichtschutz an die schottische Ecke kommen sollte, unmittelbar dahinter.

Die auf die Restlücke gestreuten Kieselsteine sehen zwar blöd aus, sind vorerst aber die schnellste Möglichkeit der Abdeckung. Im Sommer werde ich wohl nochmal drangehen, alles freilegen, den Beton darunter sorgfältig weghauen und dann meine Pflastersteine legen. Vielleicht auch nicht. Diese Ecke ist das Erste, was man vom Grillplatz sieht, und sie ist sie ja fast symbolisch für das, was kommt. Bunt, zusammengewürfelt, krumm, improvisiert, aber mit Liebe zusammengehämmert.

Ich habe übrigens keine Ahnung wie bei diesem ständigen Regenwetter der Grill, den ich inzwischen optimistisch aus der Plastikplane gewickelt hatte, jemals durchtrocknen soll. Wenn sich der Mörtel inzwischen wieder verflüssigen und langsam an den Seiten herunterfließen würde, käme mir das völlig normal vor. Ist ja nicht für Unterwasser-Anwendungen geeignet. Der Putz ist fast ständig nass und zeigt dabei immerhin einen angenehm dunklen Farbton. Aber irgendwann muss ich ja mal ein Probefeuerchen machen, um zu sehen, ob der Grill am jetzigen Standort die gesamte Terrasse vollqualmt, sich gar nicht erst anfeuern lässt oder sogar vorschriftsmäßig funktioniert. Aber was erwarte ich von einem Teil, das weder vorschriftsmäßig zusammengebaut noch vorschriftsmäßig verputzt wurde? Sicherheitshalber packe ich das gute Stück wieder unter die blaue Plane. Wie macht Christo das eigentlich immer? Blau verpacken, fotografieren und Geld damit verdienen? Wie wäre es mit Kunst-Postkarten vom verpackten Grill? Ich würde die auch signieren.

Die Regentonne läuft seit Tagen über, und da es nicht nur aus dem Regenrohr auf die Wasseroberfläche tropft, sondern auch aus dem Himmel und aus den Bäumen, ergeben sich faszinierende, ineinanderlaufende Wellenmuster. Ich könnte stundenlang davorstehen und zuschauen, aber ich will den Nachbarn nicht schon wieder bedenkliche Anblicke geben, indem ich völlig nassgeregnet vor der Regentonne warte und bewegungslos auf das Wasser schaue. Könnte so aussehen, als wollte ich mich ertränken.

In den knappen Regenpausen streiche ich meinen großen Tisch blitzschnell palisanderbraun und das Ergebnis gefällt mir ausgesprochen gut. Der viele Regen lässt mich bei Ebay inzwischen allerdings immer mal wieder nach wasserdichten Planen für meine Einweihungsfeier sehen. Aber wenn sie gut und wirklich regendicht sind, sind sie schweineteuer. Naja, ist ja auch gar nicht so schlimm, wenn man mal mit einem Würstchen in Regen sitzt. Völlig unerwartet fragt da mein Vater: “Ich hab da noch so eine 4 mal 4 Meter große Plane. Kannst du die gebrauchen?” Und ob ich das kann! Ich kenne sie noch gut, denn sie hing oft über der Terrasse meiner Eltern, besteht aus gummiertem Segeltuch, ist knallorange und absolut regenfest. Mit der kann ich die ganze Terrasse überdecken und dann wirklich nette Regenpartys feiern. Wie beruhigend!

WOCHE 49 – Juni 2006

Endspurt. Vor fast einem Jahr habe ich begonnen, in der Wildnis meines Gartens einen Grillplatz anzulegen. Ehrlich gesagt, könnte ich noch ein weiteres Jahr arbeiten und hätte dann noch mehr Ecken fertig und passend gestaltet, ohne wirklich fertig zu sein, aber irgendwann muss ja mal ein Schlusspunkt gesetzt werden. Bei mir ist der Schlusspunkt die Einweihungsparty. Der Termin steht fest und ist im Juni – und dann gilt der Grillplatz als fertig. Egal, ob er es auch ist. Blöderweise habe ich gerade auch andere Arbeit, die mich weitgehend vom Garten fernhält, aber das macht nichts, denn eigentlich sieht der Grillplatz ja schon ganz gut aus. Es gilt jetzt den Blick auf das Wesentliche zu richten und gezielt an den Problemzonen zu arbeiten.

Erste Problemzone: Die Reste. Bretter, Steine und Müll müssen eingesammelt und getrennt und entweder irgendwo gestapelt oder in die Mülltonne gestopft werden. Zweite Problemzone: Defekte Möbel. Einige der Stühle vom Sperrmüll müssen leicht repariert und meine bei Ebay ersteigerten kleinen Holz-Tischplatten noch auf ihre Beine geschraubt werden, die wiederum nicht knalltürkis bleiben, sondern irgendwie dunkel gestrichen werden sollen. Dritte Problemzone: Das Unkraut schießt schon wieder überall hervor und muss nochmal gründlich beseitigt werden. Vierte Problemzone: Ich will ja noch eine Runde feinen Split verteilen, und die Treppenstufe wackelt ja auch noch, und den Grill habe ich noch nicht getestet … Bin ich nicht jetzt schon bei Problemzone sechs? Besser als Problemzonen aufzuzählen, wäre anfangen zu arbeiten.

Nachdem ich einen Testbericht über Garten-Solarleuchten lese, bei dem rauskommt, dass es sowohl bei den billigen, als auch bei den teuren Lampen totale Krücken gibt, kaufe ich kurzentschlossen zwei relativ billige Lampen. Das heißt, ich will die für 5 Euro holen, überlege länger, ob lieber die Version in schwarz oder in silber, nehme dann die silbernen, die sich an der Kasse als 15-Euro-Lampen rausstellen. 5 Euro gilt nur für die schwarzen. Ich nehme trotzdem die silbernen. Solarlampen kann man nach dem Kauf nicht testen, sondern muss sie erstmal zum Aufladen in die Sonne stellen, ehe man irgendwann abends den Schalter umstellen und ihr Licht beurteilen kann. Da es so viel regnet und fast durchgehend bewölkt ist, gebe ich ihnen lieber mal gute zwei Wochen Aufladezeit. Währenddessen werfe ich gedankenlos den Kassenbon weg. Aber egal – irgendwie werden sie schon leuchten. Sogar die schlimmsten Krücken im Test haben immerhin funzeliges Licht gebracht. Als ich dann nach langer Aufladezeit an einem Abend im Garten hochgespannt den Schalter einer der Lampen von OFF auf ON stelle, tut sich nichts. Na toll. Lampe dunkel und kein Kassenbon da. Frustriert schiebe ich nebenbei auch den Schalter der anderen Lampe um, und die leuchtet strahlend los. Also nicht unglaublich hell, mir erscheint das wohl so strahlend, weil es unerwartet kommt und ich mich freue, aber immerhin so, dass die Landschaft 20 Zentimeter um sie herum bläulich hell wird. Für 15 Euro ist das OK. Die andere Lampe hat einen heftigen Wackelkontakt, den ich beim vorsichtigen Öffnen des Innenteiles beseitige, weil sie dabei sofort komplett kaputt geht. Jetzt macht sie gar nichts mehr, nicht mal mehr wackelkontakten. Das ist auch für 15 Euro nicht OK, aber ich habe ja keinen Kassenbon mehr. Hilft es, wenn ich heulend und schluchzend mit der kaputten Lampe ins Geschäft gehe und ein Indianderehrenwort schwöre, dass ich sie dort gekauft habe? Oder besser: Würde ich mich das überhaupt trauen? Ganz klar: Nein. Nicht für 15 Euro.

Mit dem Zustand der Pflanzen am Grillplatz bin ich sehr zufrieden. Dafür hat sich der viele Regen in den letzten Wochen gelohnt. Alles wächst und gedeiht, ohne dass ich stöhnend mit der Gießkanne verdorrende Leben retten muss. Ich bin so gespannt, wie das hier in ein paar Jahren aussehen wird. Haue ich dann in jedem Frühling erstmal mit der Machete den eingewucherten Grillplatz frei? Oder vertrocknen mir die Pflanzen immer in heißen Hochsommern und ich gestalte die Schottlandecke irgendwann lieber mit Plastikkakteen in eine amerikanische Prairie um? So mit rollenden Büschen und einer einsamen, penetrant in den Angeln quietschenden Türe. À propos penetrant. Wo ist eigentlich der Rasenmäher-Mann? Ich habe ihn schon sehr lange nicht mehr gehört. Muss ich mir Sorgen machen?

WOCHE 50 – Juni 2006

Es ist vorbei-bye-bye. Zunächst einmal: Meine Solarlampe tut’s wieder! Die Erklärung ist so peinlich, dass es schon wieder schön ist: Ein leichter Wackelkontakt war vorhanden, als ich sie draußen im abendlichen Garten ausprobierte, und auf dem Weg ins Haus begann ich den Innenteil der Lampe zu lösen. Kaum war ich drinnen und sah mir alles in der Küche genauer an, leuchtete die Lampe überhaupt nicht mehr. Total kaputt, vermutete ich. Alle Untersuchungen brachten keinen Erfolg, die Solarlampe tat keinen Muckser. Sofern man bei Licht von Mucksern sprechen kann, aber ich möchte hier die Begriffe ‘Wellen’ und ‘Strahlen’ vermeiden, weil die alles nur noch komplizierter machen. “Die Lampe gab keine Welle ab” – wer kapiert so was schon? Sie funktionierte auf jeden Fall überhaupt nicht mehr und landete schließlich auf dem Küchentisch, wo sie unbeachtet liegen blieb. In der Nacht musste ich zur Toilette und sah mit Erstaunen, dass ein hell leuchtendes Etwas auf dem Küchentisch lag. Sah aus wie ein UFO, war aber die Solarlampe. Wieso funktionierte die auf einmal wieder?? Es war mitten in der Nacht, ich war müde und ich bin blond, aber unaufhaltsam kam mir die Erkenntnis: Eine Solarlampe leuchtet nur, wenn es dunkel ist. Wenn ich sie also unter einer hellen Küchenlampe untersuche, denkt sie, es wäre ein sonniger Tag, stellt sich ab und tut keinen Muckser. Ich kann sie also am Tag vermeintlich kaputt in die Mülltonne werfen, wo sie, sobald der Deckel geschlossen ist, strahlend vor sich hin leuchtet. Was ich aber nicht merke, denn sobald ich den Deckel hebe, um neuen Müll hinein zu werfen, stellt sie sich blitzschnell ab. Die Frage ist jetzt: Bin ich zu blöd für Solarlampen? Und sind Solarlampen entfernt mit Kühlschranklampen verwandt, die ja angeblich auch nicht leuchten, wenn die Tür zu ist?

Am Ende der Woche wird es die Einweihungsparty geben, darum wird der Grill schnell noch fertig gemacht. Er bekommt einen Einsatz in den Kamin, der die Hitze etwas abmildert, so dass auch mal richtig schöne, hoch lodernde Holzfeuer gemacht werden können. Das, was mir die ganze Zeit über eigentlich klar war, ich aber wegen der fehlenden Aufbauanleitung nicht nachlesen konnte, bestätigt sich: Ich hätte den Einsatz schon während des Zusammenbaus einsetzen müssen. Jetzt ist alles etwas eng.

Aber mit brutaler Gewalt und einem dicken Hammer haue ich das Ding einfach Zentimeter für Zentimeter an den passenden Platz. Dabei gehe ich durchaus das Risiko ein, dass mir ein Stück Putz rausbröckelt oder die ganze Haube abplatzt, aber selbst das ist mir egal. Entweder rein und fertig oder eben ein neuer Kamin. In den letzten Monaten bin ich entschlussfreudig und kompromissloser geworden. Dann der Praxistest. Kohle in den Grill, anzünden, und nach dem ersten wilden Qualmen vorne und oben raus, zieht der Kamin vorschriftsmäßig und leitet den Rauch nach oben weg. Wahnsinn! Es funktioniert! Zur Feier des Tages, und natürlich um den Test bis zum Ende durchzuführen, grillen wir unser Mittagessen und verzehren es danach kritisch. Testurteil: Lecker! Der Vorteil eines weit oben, am Ende des Garten liegenden Grillplatzes ist übrigens, dass man lange gemütlich sitzen bleibt, weil jeder Weg, egal wohin, relativ weit ist. Nur für eine vergessene Serviette läuft man nicht den ganzen Weg bis zum Haus runter. Und auch, ob man wirklich zum Klo muss, überlegt man lange und geht erst, wenn es wirklich nötig ist. Allerdings ist vor und nach der Grillerei die Geschirrschlepperei angesagt. Ließe sich eine Geschirrspülmaschine formschön unten in den Grill integrieren?

Hey! Ich habe einen funktionierenden Grill und einen großen Grillplatz! Vor einem Jahr gab es hier einen zugewachsenen, schrägen Hang mit Brennnesseln und Brombeerranken. Es ist nicht zu fassen.
Meine persönlichen Erkenntnisse der vergangenen zwölf Monate: Man kann mehr, als man denkt. Es muss nicht immer perfekt sein. Einfach anfangen, das Weitere ergibt sich schon. Auch krummes Pflastern kann Spaß machen. Viele tausend Kilo Kies in zwei Eimern den Berg hoch tragen, macht keinen Spaß. Bei der ganzen Aktion zweimal heftig mit dem Hammer auf die Hand schlagen, ist ganz OK, wenn man bedenkt, dass es auch Verletzungen mit Kreissäge, Schwingschleifer oder beim Sturz von der Leiter hätte geben können. Beim Bauarbeiten und Steine klopfen kann man viel oder gar nicht denken. Beides ist gut.

Ich habe mich gefreut, dass so viele Leser bei diesem Projekt in jeder Woche dabei waren! Danke auch an Dirk Bach, die Eagles, Paul McCartney und die Wise Guys, die als Bilder auf meinen T-Shirts häufig mit dabei waren, mitschleppten, mitschwitzten und mich einfach durch ihre bildliche Anwesenheit unterstützten. Wenn man alleine arbeitet, wird man seltsam und ich habe mich tatsächlich gefreut, wenn sie bei Regen, Sonne und Schlepperei dabei waren und jeden noch so langen Weg geduldig mitgingen. Beziehungsweise ICH sie getragen habe. Sie haben mir geholfen, ohne etwas davon zu merken. Wie praktisch, denn wenn sie echt vor Ort gewesen wären, hätten sie womöglich über die schweren Eimer gestöhnt, rumgemeckert und mich mit Fragen nach dem Sinn eines selbstgebauten Grillplatzes genervt.

Es war eine tolle Zeit, die mir sehr viel Spaß gemacht und mir viel gebracht hat. Nicht nur einen Grillplatz. Herzlichen Dank an die Freunde, die mir eigentlich den Gartenbauer geschenkt hatten, der mir einen Grill aufstellen sollte, damit ich mich mal entspannen kann, und die dann erleben mussten, dass ich mir die Arbeit lieber selber machte. Aber es war eine richtige Entscheidung, die ich keinen Augenblick lang bereut habe. Höchstens mal beim Kiesschleppen, aber auch dann nur ganz kurz. Und jetzt entspanne ich erstmal, höre den Bambus im Wind rauschen und sehe den Weinranken zu, die an der Laube hochwachsen. So wie ich mir das vor einigen Monaten schon vorgestellt habe. Aber in echt ist es noch viel schöner.


Teil 6 – Die Grillplatz-Einweihung

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